Water – Der Kampf beginnt

Nachdem ich zuletzt einige Romane aus den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren gelesen hatte, war endlich mal wieder etwas Aktuelles fällig. Aus meinem SUB mit Neuerscheinungen hab ich als Erstes ein Buch von Paolo Bacigalupi ausgewählt – ohne zu ahnen, wie sehr es zu den Temperaturen der letzten Tage passen würde … Ich hab schon mehrfach mit seinen Romanen geliebäugelt, etwa mit dem preisgekrönten Biokrieg, aber Rezensionen, die ihm zwar einen tollen Stil, aber auch langatmige Ausschweifungen und flache Spannungsbögen bescheinigen, haben mich davon abgehalten. Seine im Storyband Der Spieler versammelten Erzählungen hab ich bereits gelesen, dort fand ich das in etwa bestätigt. Als ich kürzlich seinen Near-Future-Thriller Water – Der Kampf beginnt (im Original The Waterknife) entdeckt habe, musste ich dann doch endlich auch romantechnisch mal zuschlagen und hab es nicht bereut.

WaterIm Zuge der Erderwärmung breiten sich die Wüstengebiete aus. Die Menschen müssen sich auch in bisher gemäßigten Regionen gegen Sandstürme wappnen. Trinkwasser wird zum immer knapperen und kostbareren Gut. Folglich werden Wasser und Wasserrechte zum Spekulationsobjekt. Buchmacher in den USA nehmen sogar Wetten an, welche Stadt als nächste ihre Wasserrechte verliert. Bundesstaaten und Städte mit großen Wasservorkommen werden reich, andere gehen allmählich zugrunde. Aus dem Handel mit Wasserrechten wird ein blutiges Geschäft, in dem sogenannte Waterknives die Strippen ziehen, die zwar offiziell einer Wasserbehörde unterstellt sind, aber alles andere als beamtenmäßig handeln. Sogar kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Staaten oder einzelnen Städten innerhalb der USA drohen. Bei Ermittlungen bzw. Recherchen wegen einer neuen Wasserquelle in Arizona treffen der desillusionierte Waterknife Angel und die pulitzerpreisgekrönte Reporterin Lucy aufeinander. Gemeinsam geraten sie in tödliche Gefahr.

Bacigalupi scheint ausschweifendes Erzählen zu lieben. Auch hier beginnt er mit vielen Details und langen Dialogen, um sein Near-Future-Szenario nach und nach zu beschreiben. Doch bevor es langatmig wird, kriegt er die Kurve und setzt Thrillerelemente ein, die heftiger geraten, als ich es erwartet habe. Der Kampf um die Wasserrechte wird alles andere als zimperlich geführt. Waterknives wenden sogar Folter an, um an Informationen zu kommen. Was mir etwas gefehlt hat, war ein Blick über den Tellerrand des nicht offiziell erklärten Wasserkrieges im Südwesten der USA hinaus. Andere politische, gesellschaftliche und technische Entwicklungen dieser nahen Zukunft bleiben weitgehend außen vor. Trotzdem ist Water – Der Kampf beginnt lesenswert, sowohl für Thriller- als auch für Science-Fiction-Fans. Der Roman ist als Hardcover bei Blessing erschienen und wurde von Wolfgang Müller meines Erachtens sehr gut übersetzt.

7 Antworten zu “Water – Der Kampf beginnt

  1. Das klingt nach was für mich. Ich mag das Abschweifende gerade in solchen Settings.

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  2. Windup Girl und vor allem Ship Breaker fand ich überhaupt nicht langatmig

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  3. Wenn meine Leseliste nicht schon so lange wäre… ;-)

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