Westworld

Gestern hab ich wieder einmal den SF-Klassiker Westworld von Michael Crichton (Drehbuch & Regie) angeschaut. Nicht nur, weil demnächst die gleichnamige TV-Serie startet, aber auch deswegen – denn die Grundidee gibt einiges mehr her, als in dem 85-Minuten-Film aus dem Jahr 1973 (inklusive der Fortsetzung Futureworld von 1976) gezeigt wird. Erstmals hab ich den Film im Alter von 14 Jahren gesehen, als er Anfang der Achtzigerjahre in der SF-Reihe der ARD (die mein Faible für Science Fiction maßgeblich mitbeeinflusst hat) ausgestrahlt wurde. Damals war ich begeistert, und diese Begeisterung hat sich – natürlich mit gehörigem Nostalgiefaktor – mit kleinen Abstrichen bis heute gehalten.

WestworldDelos ist ein Freizeitpark, wie es ihn noch nie gab: Für 1000 Dollar pro Tag können die Gäste nicht nur eine Urlaubsreise in eine andere Region, sondern vor allem einen Abenteuertrip in eine andere Zeit machen. Sie können auswählen zwischen der Westernwelt, die dem Jahr 1880 nachempfunden ist, einer Mittelalterwelt und einer Nachbildung des antiken Rom. Peter Martin (Richard Benjamin) und John Blane (James Brolin) haben sich für die Westernwelt entschieden, in der sie ihrem stressigen Alltag entfliehen können. Und nicht nur das: Sie können sich dort nach Herzenslust austoben, denn Delos ist mit Robotern bevölkert, die man auf den ersten Blick nicht von normalen Menschen oder Tieren unterscheiden kann. So ist es für die Gäste zum Beispiel möglich, Revolverduelle wie im Wilden Westen zu bestehen und dabei das Maschinen-Gegenüber zu erschießen, ohne selbst wirklich in Gefahr zu geraten – und natürlich auch ohne dafür verhaftet zu werden (es sei denn „zum Spaß“ vom Sheriff des Westernstädtchens). Martin und Blane juckt gerade diese Möglichkeit in den Fingern, und sie machen reichlich von ihren Colts Gebrauch. Alle Schusswaffen sind so modifiziert, dass man damit nicht auf Wärme abstrahlende Menschen oder echte Tiere schießen kann, sondern nur auf Roboter-Revolvermänner wie den Gunslinger (Yul Brynner trägt dasselbe Outfit wie in seinem wohl berühmtesten Western Die glorreichen Sieben) oder auf Roboter-Klapperschlangen. Doch jede Technik kann auch versagen, und hier führt dies zu einer Katastrophe.

Natürlich ist das, was den Urlaubern angeboten wird, teilweise moralisch fragwürdig – wobei auch heutzutage so manches reale Urlaubsangebot sehr fragwürdig ist. Über die Logik darf man nicht allzu intensiv nachdenken, denn die Ausgestaltung des Freizeitparks ist nicht immer konsequent. So wird immer wieder behauptet, dass die Sicherheit der Gäste oberste Priorität hat, aber dann dürfte man eigentlich in der Westernwelt keine Kneipenschlägereien und in der Mittelalterwelt keine Schwertkämpfe inszenieren, an denen Gäste beteiligt sind, weil trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Verletzungsrisiko gerade für ungeübte Gäste zu hoch wäre. Aber bei diesem Film kann ich das verschmerzen, weil der Nostalgiefaktor dies wettmacht. Im Alter von 14 Jahren hätte ich einen wie im Film gezeigten Freizeitpark liebend gern selbst besucht – natürlich ohne den katastrophalen Ausgang. Die Grundidee, die Michael Crichton später noch einmal für Jurassic Park verwendet hat, fand ich damals absolut faszinierend – und obwohl mir inzwischen viele andere interessante futuristische Ideen untergekommen sind, bleibt dieses Setting faszinierend.

Was dem Film fehlt – zum Beispiel die Nutzung der Robotertechnik auch für andere Bereiche als das Urlaubsvergnügen gutbetuchter Gäste – zeigt zum Teil die Fortsetzung Futureworld – Das Land von übermorgen. Aber für die im Oktober startende HBO-Serie, bei der J.J. Abrams und Christopher Nolans Bruder Jonathan mitmischen, bleibt noch viel übrig, was man aus dem Thema machen kann. Somit darf man gespannt sein.

5 Antworten zu “Westworld

  1. Cool, zum ersten Mal davon gelesen. Klingt faszinierend, bei Zeiten werde ich mir den auch mal gönnen!

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  2. Hab den Film auch damals in der ARD zum ersten Mal gesehen und war ähnlich begeistert. Eine SF-Filmreihe im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – die Vergangenheit war schon recht utopisch.

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