Dark Wood

Beim neuen Roman von Thomas Finn hab ich aus mehreren Gründen zugeschlagen: Zum einen ist mir sein erstklassiger Horrorroman Weißer Schrecken noch sehr gut in Erinnerung, zum anderen fand ich die Tatsache bemerkenswert, dass der Knaur Verlag tatsächlich „Horrorthriller“ auf das Cover geschrieben hat, wo doch die Genrebezeichnungen Horror und Science Fiction – zumindest bei den größeren Verlagen – mehr und mehr verschwinden und alles schlicht als „Thriller“ bezeichnet wird, was wohl der Verkaufsförderung dienen soll. Dark Wood zeigt also sofort, auch durch den Titel und die Covergestaltung, worum es in dem Buch geht: um Backwood Horror, ein Sub-Genre, dem auch viele Filme zuzurechnen sind, wie etwa Beim Sterben ist jeder der Erste, Die letzten Amerikaner, Texas Chainsaw Massacre oder Wrong Turn.

dark-woodIn einer TV-Gameshow erhalten die Mitarbeiter von Firmen, die kurz vor dem Konkurs stehen, die Möglichkeit, die Firmenkasse aufzubessern und somit ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Zwei Frauen und vier Männer einer Werbeagentur nutzen diese Chance, zumal dem Einzelsieger, der aus den zu bestehenden Prüfungen hervorgeht, zusätzlich ein Batzen Geld winkt. Schon bei der ersten Sendung wird klar, dass sich die sechs untereinander nicht grün sind, und das setzt sich fort, als sie in der norwegischen Wildnis ausgesetzt werden, um dort auf einem von der Produktionsfirma errichteten Parcours ihre Aufgaben zu absolvieren. Es dauert nicht lange, bis das Ganze aus dem Ruder läuft, wobei die größere Gefahr nicht durch die Streitereien droht, sondern durch eine Gefahr von außen, der zunächst die Mitglieder der Produktionscrew zum Opfer fallen, bevor auch die sechs Show-Teilnehmer in tödliche Gefahr geraten.

Die Gameshow erinnert an TV-Formate wie Dschungelcamp oder Big Brother. Finn lässt sich viel Zeit, um seine sechs Hauptfiguren, ihren fiesen Showleiter und den Ablauf der Show vorzustellen. Das nimmt etwa das erste Drittel des Romans in Anspruch, was für meinen Geschmack zu lang ist, da ich diesen Shows wenig bis nichts abgewinnen kann. Auch für die Herausarbeitung der Charaktere, die natürlich viel Konfliktpotenzial in sich bergen, hätte es keine 150 Seiten gebraucht. Im zweiten Drittel kommt dann endlich das zum Tragen, was ich als Leser etwas früher erwartet hätte: Die Spielshow wird für ihre Teilnehmer ernst, und sie müssen ihre Haut gegen allerlei Gefahren so teuer wie möglich verkaufen. Die zweite Hälfte des Buchs bietet schließlich all das an Spannung und Nervenkitzel, was man von Backwood Horror erwartet. Insofern ist Dark Wood für Horror- und Thrillerfans durchaus lesenswert, auch wenn der Roman nicht an Weißer Schrecken herankommt.

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