Teufelsgold

In seiner Anfangszeit als Autor veröffentlichte Andreas Eschbach lupenreine Science Fiction (z.B. Die Haarteppichknüpfer, Solarstation, Quest) und Phantastik-Thriller (z.B. Das Jesus Video). Später kam er davon mehr und mehr ab und entwickelte sich zum vielseitigen Romanautor, der zwar gelegentlich phantastische Elemente in seine Romane einbaut, aber bei den Themen sehr stark variiert. Da geht es dann beispielsweise ums dicke Geldgeschäft, um die große Ölkrise, Wahlmanipulationen oder Selbstjustiz. Dabei wagt er oftmals einen Blick in die nahe Zukunft oder in ein Was-wäre-wenn-Szenario, angereichert durch wissenschaftliche Fakten und Spekulationen, und er schildert die Auswirkungen auf seine Protagonisten, die meistens eher 08/15-Normalbürger sind. In seinem neuesten Roman Teufelsgold verknüpft er die Themen Geldgier und Alchemie.

teufelsgoldHendrik Busske leitet als Angestellter einer Investmentfirma Seminare über den Aktienhandel und macht sich selbstständig, als er merkt, dass man damit richtig Geld verdienen kann. In einem Antiquariat entdeckt er ein über hundert Jahre altes Buch, das ihn so fasziniert, dass er es stiehlt, nachdem der Antiquar es für unverkäuflich erklärt hat. Darin geht es um Alchemie im Mittelalter – ein Thema, das Busske mit seinen Seminarinhalten verbindet. In einem Hotel wird ihm das Buch von einer Frau, mit der er eine stürmische Nacht verbringt, gestohlen. Doch glücklicherweise hat er es zuvor kopiert. Mehr und mehr beschäftigt er sich mit der Alchemie und kommt schnell dahinter, dass der im Buch beschriebene Alchemist Gold mithilfe eines radioaktiven Meteoriten erzeugt haben muss, denn alle Leute, die damit in Berührung kamen, verstarben kurz darauf auf damals unerklärliche Weise, weswegen das Gold auch Teufelsgold genannt wurde. Und der Meteorit wurde als Stein der Weisen bezeichnet.

Anfangs ist Busske ein normaler Angestellter, doch je weiter ihn seine Gier nach Geld und Gold treibt, desto unsympathischer wird er: Er betrügt seine Frau nach Strich und Faden, und er betrügt seine Kunden, indem er ihnen alles Mögliche vorgaukelt, das gar nicht der Wahrheit entspricht. Dieses Spiel übt eine gewisse Faszination aus, die auch bei Filmen wie Wall Street oder Wolf of Wall Street zu verspüren ist. Zwar wünscht man diesen Betrügern, sie mögen kräftig auf die Nase fallen, aber man verfolgt ihren Weg weiter. Diesen Weg kreuzen alsbald andere Menschen, die sich der Alchemie verschrieben haben – oder die regelrecht davon besessen sind. Das führt Busske auf einen geradezu mystischen Pfad, der vom wissenschaftlich Erklärbaren mehr und mehr abweicht.

Teufelsgold wird vom Verlag als Thriller bezeichnet – vermutlich, weil dies ein Sammelbegriff ist, unter dem man sehr viel einordnen kann. Außerdem erfreut sich das Genre allgemein großer Beliebtheit. Ein Eschbach-Buch dürfte sich jedoch auch ohne diese Schubladenbezeichnung gut verkaufen. Einfach „Roman“ hätte genügt und es meines Erachtens besser getroffen, denn als Thriller im engeren Sinn sehe ich Teufelsgold nicht an, weil ihm über weite Strecken echter Thrill fehlt. Dies ist aber kein Makel, denn die Geschichte um Betrügereien und Alchemie hat durchaus ihre faszinierenden Seiten, auch wenn Busskes Werdegang als vermeintlicher Aktienguru (vermeintlich deshalb, weil er zwar andere Leuten mit seinen Sprüchen motivieren und auf den Erfolgsweg führen kann, mit seinen eigenen Aktienkäufen aber regelmäßig auf die Nase fällt) die interessantere Alchemistengeschichte anfangs etwas in den Hintergrund drängt. Auch die Jahrtausendwende mit dem damals befürchteten Computercrash wird thematisiert, wodurch sich die erste Hälfte etwas hinzieht. Je mehr sich der Roman der Alchemie zuwendet, die sich als weit mehr entpuppt als das reine Metall-zu-Gold-verwandeln, desto interessanter (und phantastischer) wird es. Als hochspannenden Thriller empfand ich das Buch unterm Strich nicht, trotzdem ist es lesenswert und hat mich gelegentlich an Eschbachs Eine Billion Dollar erinnert.

Der Roman ist bei Lübbe im Hardcover erschienen. Cover- und Innenlayout sind für den Büchernarren in mir sehr ansprechend gestaltet. Die Auszüge aus den alten Schriften werden im Buch mit einem anderen Seitenhintergrund und einer anderen Schriftart dargestellt.

11 Antworten zu “Teufelsgold

  1. Danke für den Hinweis und die Rezi – hatte gar nicht mitbekommen, dass es nen neuen Eschbach gibt. Der Mann ist für mich ein echtes Phänomen: Immer mal wieder gibt es Bücher, die mir überhaupt nicht gefallen (wie dieses Nobelpreis-Dings, wo er den Leser einfach mal komplett verarscht), dann wieder großartige Romane – wie eben Eine Billionen Dollar. Und wenn dieses hier in die Richtung geht … Meinen Dank!

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    • Bei mir liegen Eschbachs Romane meist irgendwo zwischen „überhaupt nicht gefallen“ und „großartig“. Ich hab alle gelesen und es bei keinem bereut, aber seit dem „Nobelpreis“ war keiner mehr dabei, der mich ohne Einschränkungen begeistert hat. „Teufelsgold“ fand ich aber besser als die letzten. Trotzdem warte ich darauf, dass mir eins seiner Bücher wieder mal ein so tolles Lesevergnügen beschert wie damals „Die Haarteppichknüpfer“, „Quest“ oder „Das Jesus Video“. Vielleicht bin ich aber auch zu mäkelig geworden …

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      • Ja, erstaunlich, oder? Abgesehen davon rechne ihm es hoch an, dass er auf so vielen Eben schreibt, sich nicht festlegen lässt (wie Du selbst schreibst etwa als „Thriller“-Autor. Das Billionen-Dings fand ich deshalb so genial, weil er – ähnlich wie Chriton zu seinen besten Zeiten – ein naturwissenschaftliches, oder in dem Fall wirtschaftliches Thema (Geld) anpackt und das verständlich plus spannend rüberbringt. Und ja: Auch mir gefielen die letzten nicht besonders (dieses Öl-zu-Ende-Buch oder den Batman-Verschnitt). Dennoch: Auf „Teufelsgold“ hast Du mir jetzt richtig Lust gemacht!

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  2. Ich habe den neuen Eschbach ebenfalls noch nicht gelesen, weil ich von den letzten nicht mehr so begeistert war (vor allem „Herr aller Dinge“ fand ich ziemlich mau). Aber wenn dieser hier in Richtung der Billion-Dollar geht, dann rückt er auf der Einkaufsliste weiter nach oben.

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  3. „Ausgebrannt“ fand ich gar nicht so übel – bis auf das Ende, das ich so mies fand, dass ich es konsequent verdrängt habe. Ich weiß nur noch, dass ich enttäuscht war. Sehr.

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    • Die Romanenden sind bei Andreas Eschbach immer so eine „Wundertüte“ … Selbst beim „Jesus Video“ musste ich das damals erst mal verdauen. Oftmals „plätschern“ seine Romane eher aus, als dass es zum Schluss auf einen echten Höhepunkt zusteuert. Bei „Teufelsgold“ gibt es auch nicht den Showdown, den man dreißig, vierzig Seiten vor Schluss erwarten könnte, trotzdem war ich mit dem Ende einigermaßen zufrieden.

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  4. „Bei mir liegen Eschbachs Romane meist irgendwo zwischen „überhaupt nicht gefallen“ und „großartig“.“

    Geht mir auch so, Christian. „Herr aller Dinge“ fand ich z. B. großartig, „Todesengel“ war mein erstes Buch von ihm, das ich abgebrochen habe.

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    • Bei „Herr aller Dinge“ dachte ich, es könnte d e r Eschbach-Roman sein/werden, aber dann kamen wieder Passagen, die mir nicht wirklich zugesagt haben (insgesamt hat er mir trotzdem gefallen). Es ist irgendwie verhext … :-D

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