Die Haarteppichknüpfer

Als ich Teufelsgold, den aktuellen Roman von Andreas Eschbach, gelesen hatte, stand danach wieder einmal die Erkenntnis, dass mir seine ersten Romane in der Regel besser gefallen haben als die neueren. Für einen Autor ist das keine aufbauende Erkenntnis, weil man sich ja weiterentwickelt und hofft, dass die weiteren Werke noch besser ankommen als die bisherigen. Für viele Leser von Andreas Eschbach mag dies auch zutreffen, meine Lieblingsromane aus seiner Feder stammen allerdings aus seinen Anfangsjahren als Autor – nicht zuletzt, weil mir seine lupenreinen SF-Romane genretechnisch und thematisch mehr zusagen als viele seiner Bücher, die er in den letzten Jahren geschrieben hat. So etwa sein Erstling, der Science-Fiction-Roman Die Haarteppichknüpfer, für den er 1996 mit dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet wurde.

die-haarteppichknuepferIm galaktischen Kaiserreich hat die Gilde der Haarteppichknüpfer nur eine Aufgabe: Ihre Mitglieder knüpfen aus den Haaren ihrer Frauen Teppiche für den kaiserlichen Palast. Eine echte Lebensaufgabe – denn es dauert ein ganzes Menschenleben lang, bis einer dieser kunstvollen Teppiche fertig ist. Kontakt zum Kaiserreich haben die Haarteppichknüpfer nur in Form von Steuereintreibern und Teppichhändlern, die jedoch alle ihren Planeten mit seiner rückständigen, kaum technisierten Kultur noch nie verlassen haben. Für sie ist der Kaiser ein gottgleiches Wesen, dem sie zu dienen haben. Eines Tages kommt das Gerücht auf, der Kaiser würde schon seit geraumer Zeit gar nicht mehr über sein Reich herrschen, und ein Fremder, der auf dem Planeten landet, bestätigt dieses Gerücht. Wenn also der Kaiser einer Rebellion zum Opfer gefallen ist und es in seinem Palast gar keine Haarteppiche gibt und vielleicht nie gegeben hat – was ist dann aus den Abertausenden Teppichen geworden, die die Gilde an den Kaiser geliefert hat?

Eschbach erzählt die Geschichte der Haarteppichknüpfer in knapp zwanzig Episoden, die jedoch keine in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten darstellen, sondern aufeinander aufbauen. Sie vermitteln dem Leser nach und nach ein plastisches Bild, wie die Haarteppichknüpfer leben und arbeiten und was um sie herum geschieht. Das Ganze ist stilistisch erstklassig in Szene gesetzt. Setting und Sprache erinnern an eine Mischung aus Science Fiction, Fantasy und Märchen aus Tausendundeiner Nacht – für meine Begriffe passt die Sprache perfekt zum Hintergrund und zu den Geschehnissen, die sich über etliche Jahre hinziehen. Die Erzählperspektive wechselt öfters, ohne dass die Figuren aus den bisherigen Episoden ganz verschwinden.

Da die Taschenbuchversion, die ich besitze, leider kein schönes Cover hat (um es vorsichtig auszudrücken), hab ich mir endlich die Hardcover-Erstausgabe vom Schneekluth Verlag besorgt, deren Umschlagsbild ein echter Hingucker ist. Ich hab den Roman nun zum dritten Mal gelesen und mich davon überzeugt, dass meine Erinnerung nicht trügt, was ja gelegentlich vorkommen soll (manches Buch und manchen Film empfindet man Jahre später ja als nicht mehr ganz so toll wie früher). Nach wie vor gilt: Die Haarteppichknüpfer ist einer meiner Lieblingsromane (vielleicht auch der Lieblingsroman) von Andreas Eschbach und gehört zu meinen Lieblingsbüchern überhaupt.

5 Antworten zu “Die Haarteppichknüpfer

  1. Neues Science Fiction-Futter. Perfekt! Bin eh gerade voll auf dem Trip!

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  2. Christian, ich teile deine Einschätzung: Die Haarteppichknüpfer ist das Beste, das ich von Eschbach gelesen habe.

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  3. Hm, sollte ich vielleicht noch einmal lesen: Aus der Erinnerung heraus war ich nicht besonders angetan von den haarigen Teppichen. Was Du zum Thema „die früheren Bücher sind besser“ schreibst, ist wahrlich eine tragische Seite so mancher Autoren. Ich denke da an Günter Grass, der sein Leben lang der Blechtrommel hinterherschrieb …
    Liebe Grüße!

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  4. Pingback: Gelesen (und gehört): „Die Haarteppichknüpfer“ von Andreas Eschbach | solera1847

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