Das Jahr des Falken

Nach Die Stunde der Rotkehlchen und Der Tag der Lerche ist inzwischen auch Jo Waltons dritter Inspector-Carmichael-Roman beim Golkonda Verlag erschienen. Das Jahr des Falken spielt im Jahr 1960 und setzt die Alternativweltgeschichte aus den ersten beiden Büchern fort.

das-jahr-des-falkenDie USA halten sich aus allem heraus, der Kommunismus stellt nach einem Atomwaffeneinsatz in Russland keine Bedrohung mehr dar. England wird von Faschisten regiert und soll die Friedenskonferenz für die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ausrichten: Deutschland und Japan. Auch Hitler wird in London erwartet. Chief Inspector Carmichael fällt als Leiter der sogenannten Wacht die Aufgabe zu, Sicherheitsmaßnahmen für die Konferenz zu planen. Zu seinem Posten bei der englischen Gestapo kam er nicht ganz freiwillig, hat sich aber damit arrangiert, weil er so Informationen erhält, die ihm ansonsten verborgen bleiben würden. Seine Stellung bietet ihm einen gewissen Schutz, da ihm als (heimlichen) Homosexuellen Repressalien drohen. Außerdem kann er so verdeckt Menschen unterstützen, die Juden dabei helfen, aus dem sich ausbreitenden Reich der Faschisten nach Afrika zu fliehen.

Der Roman wird teilweise aus der Sicht von Carmichaels Mündel Elvira erzählt. Die Achtzehnjährige ist die Tochter seines ehemaligen Kollegen Royston, der in Der Tag der Lerche ums Leben kam. Sie gerät unwissentlich in eine Verschwörung und begegnet dem Faschismus ein wenig naiv, was sie und Carmichael in eine sehr gefährliche Lage bringt.

Jo Walton schildert den sich ausbreitenden Faschismus wie schon in den Vorgängerromanen als eine Art Naturereignis, das wie selbstverständlich um sich greift. Kaum jemand stellt sich dem entgegen – eine Entwicklung, die man in der Realität aus dem Deutschen Reich nach 1933 nur zu gut kennt. Und auch ein anderes „Phänomen“ beschreibt sie, das in der Geschichte immer wieder in den Fokus gerückt ist: Internationale Ellenbogenmentalität und überbordender Nationalismus manifestieren sich in Aussagen wie „England muss England bleiben“ – auch dergleichen kennt man ja. Das Jahr des Falken bildet einen würdigen Abschluss der Inspector-Carmichael-Trilogie.

2 Antworten zu “Das Jahr des Falken

  1. Oha! Das klingt ja beinahe wie eine Pflichtlektüre angesichts der aktuellen politischen Entwicklung in ganz Europa und so manch anderem Land…

    Gefällt 2 Personen

    • Wenn man bedenkt, dass die drei Romane um die zehn Jahre alt sind, dann muss Jo Walton irgendwie eine Kristallkugel in der Nähe gehabt haben …
      Ich kann die Romane wirklich empfehlen, allerdings muss man sie der Reihe nach lesen. Actiongedöns gibt es nicht, das Ganze könnte vom Stil her auch von Agatha Christie verfasst worden sein.

      Gefällt 1 Person

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