Der Schmerz des Erwachens

Der Schmerz des Erwachens von Brett McBean ist ein Coming-of-Age-Horrorroman (allerdings mit weitgehend dezenten, relativ unkonventionellen Anleihen aus dem Horrorgenre). Damit reiht er sich in ein Untergenre ein, das ich immer wieder gern lese und dessen Highlights für mich Es von Stephen King, Sommer der Nacht von Dan Simmons und Unschuld und Unheil von Robert R. McCammon waren und sind.

der-schmerz-der-erwachensObwohl McBean Australier ist, spielt der Roman in einer US-amerikanischen Kleinstadt. Die beiden Vierzehnjährigen Toby und Frankie genießen ihre langen Sommerferien, bevor sie im Herbst zur High School gehen werden. Alles dreht sich um Mädchen, Sport, ersten Alkohol, erste Partys und kleine Revierkämpfe mit den Eltern – auf den ersten Blick nichts, was außergewöhnlich erscheint. Und dennoch ist dieser Sommer für beide viel mehr als nur eine Stufe auf der Treppe zum Erwachsenwerden. In Tobys Nachbarschaft lebt ein alter Mann, der aus Haiti stammt und wegen seiner Hautfarbe und seiner etwas seltsamen Art zur Zielscheibe für pubertierende Rassisten wird. Aber damit noch nicht genug – eines Abends kommt etwas mit Brachialgewalt über Toby und Frankie, das alles auf drastische Weise verändert.

Mehr will und darf ich nicht verraten, weil ich sonst jedem, der das Buch lesen möchte, die Spannung nehmen würde. Über das gesamte erste Romandrittel hinweg ist es ein reiner Coming-of-Age-Roman, der zwar einige gängige Klischees bedient, aber dennoch zu fesseln vermag. Und dann … tja, alles, was ich dazu schreiben würde, würde zu viel vorwegnehmen. Vielleicht nur das: Nach einem Paukenschlag bleiben die Anleihen aus dem Horrorgenre lange Zeit dezent und stehen bis zum Schluss nicht im Vordergrund. Auf den ersten Blick bedienen sie zwar ein bekanntes Untergenre, aber sie bleiben stets auf einer recht unkonventionellen Ebene. Es gibt eine Geschichte in der Geschichte, die für meinen Geschmack etwas zu ausführlich geraten ist, die aber so geschickt in die Haupthandlung eingefügt wurde, dass keine Langeweile aufkommt.

Das sehr schön gestaltete Hardcover ist als limitierte und signierte Sammleredition beim Festa Verlag erschienen, ohne ISBN und nur beim Verlag zu beziehen, und mit knapp 40 Euro nicht ganz billig. Ich hab es geschenkt bekommen und bin dafür doppelt dankbar, weil ich es nicht auf dem Schirm hatte und sonst wohl nicht in den Lesegenuss gekommen wäre. Für die 570 Seiten hab ich nur wenige Tage gebraucht, weil ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Brett McBean verfügt zwar nicht ganz über die stilistische und erzählerische Raffinesse von King, Simmons und McCammon – trotzdem braucht sich Der Schmerz des Erwachens nicht vor deren Meisterwerken zu verstecken.

6 Antworten zu “Der Schmerz des Erwachens

  1. Hmm, das klingt ja fast nach einer Voodoo-Geschichte, zumindest wenn es um einen alten Mann aus Haiti geht… Klingt gut!

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  2. Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen. Ein Coming of Age-Roman, wie ich ihn gerne lese. Sehr schöne Ausgabe. :-) An „Es“, „Sommer der Nacht“ oder z. B. „December Park“ kommt es nicht ganz heran, trotzdem spannend und unterhaltsam. Hatte es auch innerhalb weniger Tage durch. :-)

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