Planetenwanderer

George R. R. Martin ist vor allem wegen seiner Fantasyromane bekannt. Das Lied von Eis und Feuer bzw. Game of Thrones kennt fast jeder, der sich für Phantastik interessiert, zumindest dem Namen nach. Er schreibt aber nicht nur Fantasy, sondern auch Horror (z.B. Armageddon Rock, Fiebertraum, In der Haut des Wolfes) und Science Fiction. Seine Superhelden-Co-Produktion Wild Cards mit anderen Autoren wird gerade auf Deutsch neu aufgelegt – ebenso wie kürzlich seine Haviland-Tuf-Storys, die 1986 zum Episodenroman Tuf Voyaging (zu Deutsch Planetenwanderer) zusammengefasst wurden.

planetenwandererDieser Haviland Tuf ist zwar von der Gestalt her ein Riese, besticht vor allem durch seine Cleverness, mit der er Konflikte zu seinen Gunsten beeinflusst. Rohe Gewalt oder gar Waffen hat er nicht nötig. Als interplanetarer Händler bereist er mit seinen diversen Raumschiffen das Weltall. Dabei begleiten ihn seine Katzen, die er unter anderem Sodom und Gomorrha genannt hat; eine Mannschaft braucht er in der Regel nicht. Immer wieder bringt er sich in brenzlige Situationen, aus denen er sich schlau herausmanövriert, manchmal erst in letzter Sekunde. Seine Gegner können mitunter gar nicht anders, als ihn zu bewundern und lieber von ihm zu profitieren, als sich permanent mit ihm anzulegen.

Die einzelnen Episoden haben eine Länge zwischen 50 und 130 Seiten, lassen sich also als Novellen oder Kurzromane klassifizieren. Teilweise beziehen sie sich aufeinander. Sie wurden zwischen 1975 und 1985 erstveröffentlicht, bevor sie für den Episodenroman chronologisch zusammengefasst wurden. Zwei oder drei davon kannte ich bereits, hab mich aber erst beim Lesen daran erinnert. Die Übersetzungen einiger Novellen erschienen vor über zehn Jahren im SF-Magazin ALIEN CONTACT, das leider im Jahr 2005 eingestellt wurde. Manche der dialoglastigen Geschichten wirken etwas in die Länge gezogen, was dem Lesevergnügen jedoch kaum Abbruch tut. Es macht Spaß mitzuerleben, wie Haviland Tuf seine Gegner über den Tisch zieht, auch wenn sie gelegentlich allzu leicht auf seine Kniffe hereinfallen und Tufs geklonte Katze Dax mitunter cleverer wirkt.

Auch wenn der „toughe“ Tuf ein Riese ist, irgendwie erinnert er mich an Tyrion Lannister – bzw. Tyrion erinnert mich an ihn. Vielleicht stand Haviland Tuf ja Pate für die interessanteste Figur aus Game of Thrones.

4 Antworten zu “Planetenwanderer

  1. Hallo, ich habe den Planetenwanderer auch vor kurzem gelesen und mir wurde Tuf im Fortgang der Geschichte immer unsympathischer, bei Tyrion ist das bislang – auf jeden Fall so pauschal – noch nicht der Fall. Mir hat der Roman an sich auch gut gefallen, allerdings fand ich im Nachhinein den immer gleichen Aufbau – Tuf fliegt irgendwo hin, trifft auf ein Problem, überlegt und bastelt, löst da Problem – ein bisschen ermüdend. Viele Grüße!

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    • Das mit dem ähnlichen Aufbau der Episoden liegt wohl daran, dass die Geschichten ursprünglich eine Art Wiedererkennungswert haben sollten und nicht dafür gedacht waren, später mal in einem Buch zusammengefasst zu werden. Vielleicht hätte man eine oder zwei davon weglassen sollen.
      Unsympathisch wurde mir Tuf nicht. Seine Kontrahenten haben es sich meistens ja redlich verdient, übers Ohr gehauen zu werden.

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