Am Ende aller Zeiten

„Science Fiction. Fantasy. Und der ganze Rest.“ Mit diesem Slogan startete im letzten Sommer FISCHER Tor sein Verlagsprogramm, das künftig etwa 25 Bücher pro Jahr umfassen soll. Begleitet wird das Ganze von TOR Online – keine reine Werbeseite, sondern ähnlich informativ wie z.B. Die Zukunft von Heyne. Mein erstes FISCHER-Tor-Buch war – soweit ich weiß – auch das erste, das der Verlag auf den Markt brachte: Am Ende alle Zeiten von Adrian J Walker, der in Australien geboren wurde, heute aber in London lebt. Auf den Britischen Inseln spielt auch sein Endzeit-Roman.

am-ende-aller-zeitenEdgar Hill lebt mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern in Schottland. Dem stabilen Keller ihres Hauses hat es die Familie zu verdanken, dass sie den Meteoritenhagel überlebt, der die Erde heimsucht. Doch die Hills kommen nicht mehr aus dem Keller raus – das eingestürzte Gebäude hat den Ausgang verschüttet. Bevor die Vorräte zur Neige gehen, werden sie von einem Suchtrupp gerettet und in eine Kaserne gebracht, wo sie auf andere Überlebende treffen. Das ganze Land ist weitgehend zerstört, Städte und viele Dörfer wurden von den Meteoriten dem Erdboden gleichgemacht. Die Infrastruktur existiert nicht mehr. Eines Tages holen Retter in Hubschraubern aus der südlichen Hemisphäre, die offenbar nicht so schlimm getroffen wurde, die Menschen aus der Kaserne ab. Doch Edgar Hill wird nicht ausgeflogen, weil er sich zu diesem Zeitpunkt mit einem Erkundungstrupp außerhalb der Kaserne aufhält. Um seine Familie wiederzusehen, schließt er sich mit einigen anderen zusammen und macht sich zu Fuß auf den Weg ins hunderte Meilen südlich gelegene Cornwall, wo demnächst Schiffe eintreffen sollen, um die britischen Überlebenden abzuholen. Die kleine Gruppe hat nur wenige Wochen Zeit. Der Weg durch das verwüstete, von Aschewolken durchzogene Land wird zur Tortur.

Endzeitgeschichten gibt es zwar zuhauf, doch Adrian J Walker gewinnt dem Ganzen etwas Neues ab, das der Originaltitel besser widerspiegelt als der Deutsche: The End of the World Running Club zeugt davon, dass es im Roman neben der Katastrophe und dem Schicksal der Überlebenden auch ums Laufen geht. Die Mitglieder der kleinen Gruppe müssen den Weg nach Cornwall zum Teil joggend zurücklegen, weil sie sonst nicht rechtzeitig eintreffen werden. Vor allem für den unsportlichen und übergewichtigen Edgar Hill beginnt ein echter Leidensweg.

Der Roman ist durchaus lesenswert, hat mich aber nicht durchgehend gefesselt – wobei ich gestehen muss, dass ich aus verschiedenen Gründen einige Wochen für das Buch gebraucht habe und nach kurzen Pausen immer wieder erst hineinfinden musste. Walkers Protagonist und Ich-Erzähler Edgar wirkt nur bedingt sympathisch, weil er eigentlich kein Familienmensch ist und schon vor der Katastrophe seine Frau nicht wirklich bei der Kindererziehung unterstützt hat. Was er an seiner Familie hat, merkt er erst, als Frau und Kinder weg sind. Walker beschreibt sein Endzeitszenario zwar teilweise packend, andererseits wirken seine Schilderungen gelegentlich etwas „routiniert“ distanziert. Das ist im Grunde nachvollziehbar, da die Menschen sich an ihre Situation gewöhnen und aus ihrem neuen „Alltag“ nur durch besondere Ereignisse herausgerissen werden. Aber dadurch fehlt es in einigen Phasen an Spannung. Trotzdem ein gelungener Einstand für FISCHER Tor, zumal das Cover ein Hingucker geworden ist.

Eine Antwort zu “Am Ende aller Zeiten

  1. Ich verstehe genau, was du meinst, wenn du schreibst, dass die das Buch nicht durchweg gefallen hat. Gerade weil der Protagonist so ein unsympathischer Abseiler ist, blieb ich über weite Strecken distanziert. Und das nagt an der Spannung, denn mit diesem Unsympathen fiebere ich einfach nicht mit.

    Am eindrucksvollsten fand ich die längere Passage beim alten Landlord (den Namen habe ich schon wieder vergessen). Der zieht aufgrund seiner glaubhaften Art viel mehr Sympathien an. Zumindest von meiner Seite.

    Hätte ich die Geschichte nicht als Hörbuch zum — irgendwie passend — Laufen angehört, wäre ich im Buch vermutlich stecken geblieben.

    Gefällt 1 Person

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