Die Krone der Sterne

Ein weiteres Buch des neuen Phantastik-Verlages FISCHER Tor: Die Krone der Sterne von Kai Meyer wird nicht als Science Fiction beworben, was aufgrund des Settings naheliegend wäre, sondern als Space-Fantasy voller Dramatik, Action und Magie. Aber das passt ganz gut, denn der Roman erinnert eher an fantasy-angereicherte SF wie Star Wars oder Frank Herberts Der Wüstenplanet als an Hard-SF wie etwa Robert Charles Wilsons Spin-Trilogie oder Star Trek.

die-krone-der-sterneDas galaktische Reich Tiamande wird von der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden beherrscht. Baroness Iniza wurde auserwählt, Braut der Gottkaiserin zu werden. Doch das möchte sie auf keinen Fall, denn die Bräute der Gottkaiserin ereilt ein schlimmes Schicksal. Hauptmann Glanis, der sich als Inizas Liebhaber entpuppt, will ihr bei der Flucht helfen, aber die misslingt. Der Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern mischen sich ein, und bald stellt sich heraus, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Auch wenn die vier in der Not zusammengeschweißt werden, weiß Iniza nicht, wem sie vertrauen kann und wem nicht, zumal weitere zwielichtige Gestalten auf der Bildfläche erscheinen.

Ich hab ein bisschen gebraucht, bis ich in den Roman reingekommen bin. In den ersten Kapiteln wechseln sich Actionszenen mit vielen Erklärungen zur Welt und zum Hintergrund (teils im Erzähltext, teils in den Dialogen) ab – diese Mischung hat mich wohl etwas erschlagen. Aber nachdem so halbwegs absehbar war, wer wer ist und was wer vorhat, und somit zur Action auch mehr und mehr Handlung und Hintergrund hinzukam, las sich das Ganze immer unterhaltsamer und spannender. Außerdem werden die Charaktere interessanter, je mehr man darüber erfährt, wie sie ticken. Vergleiche zu Chris Woodings Weltraum-Piraten oder der Crew der Firefly sind durchaus angebracht.

Kai Meyer wollte explizit keine Hard-SF schreiben, sondern eine klassische Space Opera bzw. farbenfrohe Abenteuer-SF, die sich nicht um wissenschaftliche Erklärungen kümmert. Vorbilder dafür waren vor allem Science-Fiction-Filme, die er in seiner Kindheit und Jugend gesehen hat: Star Wars, Kampfstern Galactica, Buck Rogers, Star Crash usw. (Filme, die mich – nebenbei bemerkt – damals auch begeistert haben und denen auch für mich eine große Portion Nostalgie anhaftet). Die Action dominiert, im Prinzip erstreckt sich die Handlung des Romans im Wesentlichen auf Inizas abenteuerliche Flucht, die durch Informationen zum Weltenbau und zu den zahlreichen Figuren und deren Geheimnissen aufgelockert wird. Die Flucht-Story kommt zu einem Abschluss, aber einiges bleibt am Ende offen. Inzwischen hat Kai Meyer angekündigt, dass mindestens noch zwei Fortsetzungen erscheinen werden.

Zu einem Kleinod für die Büchersammlung wird Die Krone der Sterne durch die tolle Aufmachung: Schon das Cover ist mit seiner goldenen Gestaltung ein Hingucker, und mehrseitige Illustrationen zum Einstieg sowie kleine Vignetten zu Beginn jedes Kapitels von Jens Maria Weber zeigen, dass man aus einem Papierbuch fürs Sammlerauge deutlich mehr herausholen kann als aus einem rein funktionalen eBook. Auf Webers Internetseite lassen sich viele seiner Illustrationen bewundern – reinschauen lohnt sich!

10 Antworten zu “Die Krone der Sterne

  1. Hört sich ganz gut an, Bedenken habe ich nur bei Deinem Satz „… aber einiges bleibt am Ende offen“. Auf diese ewige Trilogeritis habe ich überhaupt keine Lust mehr, insofern muss ich nochmal nachfragen: Funktioniert das als eigenständiges Buch halt mit ein bisschen Open End?
    Liebe Grüße!

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  2. Vielen Dank für die Info. Gut, gegen Fortsetzungen an sich habe ich nix. Nur diesen aufgeblasenen Trilogie-Mist, bei dem man stellenweise viele Jahre warten muss um das Ende einer Geschichte zu bekommen – da lese ich nicht mehr mit :-) Wünsche noch einen schönen Restsonntag!

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  3. Klingt faszinierend, doch gerade stecke ich noch in ‚‚Die letzte Kolonie“ von John Scalzi, danach kommt ‚‚Biom Alpha“ dran, alle sechs Folgen bzw. zwei Sammelbände am Stück. Hach, das ist eigentlich schon superb, dass einem nie das Lesefutter ausgehen wird. Und sollte es hart auf hart kommen, kramt man die besten Bücher einfach noch einmal raus. Hmmmmm.

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