Archiv der Kategorie: Allerlei

Liebster Award

Liebster AwardBloggern dürfte der Liebster Award weitgehend bekannt sein, daher für die Nicht-Blogger unter meinen Blog-Lesern ganz kurz zum Prozedere: Durch diese Ketteninterviews sollen Blogger miteinander in Kontakt kommen. Es geht darum, 11 Fragen zu beantworten und bis zu 11 weitere Blogger zu nominieren, die dann ihrerseits wieder Fragen (die gleichen oder neue) beantworten sollen bzw. dürfen. Also unterm Strich ein Schneeballsystem, das Blogger untereinander vernetzt. So weit, so gut. Da dieser Award gelegentlich seeehr weite Kreise zieht und nach den Gesetzen der Mathematik jeden Blogger immer wieder treffen würde, habe ich mit dem Blogger, der mich bzw. mein Blog nominiert hat, vereinbart, dass ich keine konkreten Nominierungen vornehme. Wer sich aber berufen fühlt oder Lust verspürt, die 11 Fragen, die mir gestellt wurden, zu beantworten, darf das gerne tun – dann wäre eine kurze Antwort unter diesem Blogeintrag mit Link zu den eigenen Antworten des jeweiligen Bloggers nett.

Nominiert wurde ich von Uwe Lammers – herzlichen Dank dafür! Und jetzt also meine Antworten:

1. Was hat dich zum Autor bzw. zur Autorin geformt?

Das war wohl der Hang zum Geschichtenerzählen – in welcher Form auch immer. Meine früheste Erinnerung an eine zu Papier gebrachte Geschichte geht auf den Katastrophenfilm Flammendes Inferno zurück. Damals dürfte ich ungefähr acht Jahre alt gewesen sein und habe in einer Bildergeschichte mit etwas Text das nacherzählt, was ich mir aus einem Filmtrailer, den ich gesehen hatte, zusammengereimt habe. Hätte es damals schon die Technik von heute gegeben (Lego-Filmstudio, Schnitt-Programme auf dem PC usw.), hätte ich vielleicht eher Kurzfilme gedreht als Storys geschrieben, keine Ahnung. So aber bin ich dazu übergegangen, in meine Geschichten immer weniger Bilder und immer mehr Text reinzupacken. Bald folgten richtige Kurzgeschichten, beeinflusst durch Vorbilder wie Ray Bradbury, Roald Dahl, Edgar Allan Poe oder Stephen King (vor allem King, dessen Storysammlung Nachtschicht für mich so etwas wie eine Initialzündung dargestellt hat).

2. Was ist dein Beruf im „echten Leben“?

Da stellt sich die Frage: Was ist das „echte Leben“? Welches von den vielen Leben, die man führt, fühlt sich „echt“ an, welches „falsch“? Und gehört das alles wirklich zusammen oder ist manches möglicherweise nur erträumt? Vielleicht schreibe und lese ich gerade deswegen hauptsächlich Phantastik in all ihren Spielarten, weil sich solche Fragen schon während der Schulzeit in mein Unterbewusstsein eingeschlichen haben? Gerade eben, da ich über den Antworten zum Liebster Award sitze, bin ich geneigt, das Bloggen als Beruf zu sehen, weil es wohl eher eine „Berufung“ ist als manches andere. Unterm Strich ist es wohl so, dass ich mehrere Berufe habe, auch wenn nicht alle der Defintion des Berufsbegriffs standhalten, bei der es wohl eher um Erlerntes, Qualifikationen und die Kohle geht, weniger um die Berufung, wenn ich es richtig im Kopf habe.

3. Was zeichnet gute Freunde aus?

Warum fällt mir dazu jetzt ausgerechnet „Gute Freunde kann niemand trennen“ von Sangeskünstler Franz Beckenbauer ein? Hmm …

Ansonsten einfach ein paar Schlagwörter, die mir spontan durch den Kopf gehen: Zuneigung, Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit, Beharrlichkeit, Geisteshaltung, Rückgrat – wenn das alles Freunde verbindet, dann ist es wohl eine gute Freundschaft, die weit übers oberflächliche Miteinanderbekanntsein hinausgeht.

4. Womit kann man dich zum Feind machen?

Auch hierzu ein paar Schlagwörter, die mir spontan einfallen: Egoismus, Intoleranz, Borniertheit, Ellenbogenmentalität, Gewaltbereitschaft, Heimtücke, Unmenschlichkeit – wenn mir solche Eigenschaften bei Menschen geballt begegnen, hilft das nicht unbedingt beim Freundschaftschließen.

5. Du hast den leeren Raum im Sinne von Weltraum vor dir, den du nach eigenen Wünschen gestalten kannst, und ein Jahr Zeit. Was möchtest du darin erleben?

Als Autor schreibe ich zwar über die wahnwitzigsten Dinge, im „wahren Leben“ (jetzt rutsche ich schon wieder in diese Lebens-Unterscheidungsschiene „echt/falsch“ …) bin ich weit weniger abenteuerlustig, muss ich gestehen. Und „Weltraum gestalten“ hört sich irgendwie nach epischer Schöpfungsgeschichte an, bei der ich höllisch aufpassen müsste, was dabei entstehen würde … Ich sehe neben Chancen nämlich immer auch Gefahren, was vielleicht damit zusammenhängt, dass sich aus Gefahrensituationen im Allgemeinen spannendere Geschichten erfinden lassen als aus Chancensituationen. Wenn ich etwas schaffen könnte, würde mir an sich eher etwas vorschweben, was mit Friede-Freude-Eierkuchen (oder letztlich völlig gefahrlosen Abenteuern) zu tun hat, trotzdem würde wahrscheinlich etwas dabei herauskommen, das in Anarchie, Chaos und Katastrophe (was ja niemand ernsthaft erleben möchte) ausartet. Also … soll ich wirklich …?

6. Wenn du für einen Tag König der Welt sein könntest, was würdest du ändern?

Das schließt sich direkt an die vorherige Frage an. Ich fürchte, ein Tag würde nicht ausreichen, denn was bringt all das, was man vielleicht an diesem Tag bewirkt, wenn es am nächsten Tag wieder einkassiert wird? Und wenn man diese Macht auf einen längeren Zeitraum ausdehnen würde, wie sollte ein Einzelner dieser Verantwortung gerecht werden? Zumal die Monarchie ganz bestimmt nicht die Herrschaftsform ist, die mir vorschwebt. Also auch hier: Es klingt nach einer verlockenden Chance, aber die Gefahren erscheinen schon wieder übermächtig …

7. Dein Lieblingsessen an einem heißen Sommertag? Dein Lieblingsessen an einem kalten Wintertag?

Da ich kein echtes Lieblingsessen habe (es gibt doch sooo viel Leckeres, wie kann man da eine Speise bevorzugen und all die anderen nach hinten schieben?), fällt mir die Antwort schwer. Im Sommer sollte es etwas Erfrischendes sein, im Winter dürfte es durchaus etwas deftiger und herzhafter sein.

8. Was sind deine Urlaubs-Vorlieben?

Erholung. Erholung. Erholung.

9. Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?

Da ich gelegentlich zu so etwas wie einem fast schon „masochistischen“ Perfektionismus neige, weiß ich, dass es absolute Perfektion nicht wirklich gibt. Es ginge immer noch angenehmer, besser, erfolgreicher, gelungener, gemütlicher – eben perfekter. Das gilt für alle Lebensbereiche. Wenn ich z.B. einen älteren Text von mir wieder lese, finde ich eigentlich immer eine Formulierung oder einen inhaltlichen Punkt, den ich jetzt – mit zeitlichem Abstand – anders gestalten würde. Beim Überarbeiten stellt sich höchstens zwischendurch eine gewisse Zufriedenheit ein, aber es kommt immer wieder der Augenblick, wo ich etwas noch besser formulieren oder inhaltlich ändern möchte. Somit beeinflusst der Abgabetermin oftmals den Punkt, an dem ich das Wort „Ende“ unter eine Geschichte schreibe – wohlwissend, dass dies noch nicht die endgültige Fassung ist, denn es folgt ja noch das Lektorat.

Unterm Strich denke ich, man muss die Tage so nehmen, wie sie kommen und versuchen, das Beste daraus zu machen; sie außerdem so weit gestaltend beeinflussen, wie es möglich ist. Und man sollte sich nicht runterziehen lassen, wenn etwas nicht so läuft wie gewünscht.

10. Welche Bücher willst du unbedingt noch lesen?

Oje, wo soll ich da anfangen und wo aufhören? Meine diversen SUBs sind immer gut gefüllt. Darin wandern gelegentlich Bücher nach unten, die ich „unbedingt“ lesen wollte, weil andere (neue und ältere) hinzukommen. Es gibt so viele zu entdecken, so viele, die lesenswert sind, dass ich mir eigentlich keine Gedanken darüber mache, was alles auf so eine Noch-zu-lesen-Liste müsste. Es ist oftmals schon schwer genug, zu entscheiden, welches Buch das nächste sein soll, nachdem ich eins beendet habe … Also immer hübsch eins nach dem anderen, mehr geht nicht. Wer wissen möchte, was ich so lese, braucht nur in meinem Blog ein bisschen runterzuscrollen.

11. Phantastische Bücher, die dringend noch geschrieben werden müssen?

Ich bin versucht zu schreiben, dass im Grunde jede Geschichte schon erzählt wurde und alle Weiteren nur Variationen dieser Geschichten sind, tu es aber natürlich nicht – schließlich bin ich selbst Autor. Und als Autor merke ich immer wieder, dass die Möglichkeiten quasi unbegrenzt sind (das ist ja das schöne am Schreiben – alles ist möglich), dass aber die wirklich originellen und bahnbrechend neuen Ideen sehr dünn gesät sind. Daher werde ich jetzt nix aus meinem Ideenfundus ausplaudern. Lasst euch einfach überraschen!

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Spenden für die Phantastische Bibliothek Wetzlar

In dem kleinen hessischen Städtchen Wetzlar gibt es die große Phantastische Bibliothek, die alles das sammelt, was Phantastikfans schätzen: Fantasy, Science Fiction, Horror … bis hin zu den klassischen Märchen und Sagen und zu jeder anderen Form von phantastischer Literatur. Sie ist die einzige öffentlich zugängliche Bibliothek dieses Sammelgebiets in Deutschland und mit 280.000 Titeln weltweit die größte. Sie ist offen für jedermann, ist Lobby für die phantastische Literatur, arbeitet kulturell, wissenschaftlich und pädagogisch, ist aber genauso für die Fans da, die einfach „nur“ lesen wollen. Seit zehn Jahren ist die Phantastische Bibliothek Wetzlar eine eigenständige gemeinnützige Stiftung, die auf Spenden angewiesen ist, zumal Kulturinstitutionen in der heutigen Zeit ständig Kürzungen von Finanzmitteln verkraften müssen. Deshalb könnte ihrer weiteren Arbeit eine Finanzspritze guttun.

spendenaktion-logo

Die Spendenaktion zugunsten der Phantastischen Bibliothek Wetzlar wird zwar von der Bibliothek technisch unterstützt, sie ist jedoch eine Aktion, die von 47 Phantastik-Autoren ins Leben gerufen wurde und von einer ganzen Reihe weiterer Autoren, Übersetzer, Grafiker, Verlage etc., die sich der Phantastik und der Bibliothek verbunden fühlen, unterstützt wird. Näheres zur Aktion lässt sich hier nachlesen.

Direkt in Berührung gekommen bin ich mit der Phantastischen Bibliothek Wetzlar durch eine meiner Kurzgeschichten, die innerhalb der von der Bibliothek herausgegebenen Reihe Phantastische Miniaturen veröffentlicht wurde und eine weitere, die auf besondere Weise mit der Bibliothek verknüpft ist (mehr dazu, wenn es spruchreif ist). Ich war selbst – leider – noch nicht in Wetzlar, habe mir aber sagen lassen, dass es sich lohnt, dort vorbeizuschauen (dieses Video beweist es eindrucksvoll!). Und es lohnt sich ganz sicher, dieses Kleinod der phantastischen Literatur zu unterstützen und zu erhalten.

Pfui Spinne?

Pfui Spinne 1

Pfui Spinne 2Gestern Abend hatte ich einen Besucher der besonderen Art. Handtellergroß war sie nicht ganz, aber es hat nicht viel gefehlt. Gut, dass ein einschneidendes Erlebnis als Kind mit einem ähnlich großen Exemplar, das beim Einschalten der Nachttischlampe direkt neben meiner damals ungefähr halb so großen Hand saß, nicht zu einer Arachnophobie geführt hat (vergessen hab ich es trotzdem nicht).

Abendsonne

Abendsonne – nicht nur für dösende Katzen angenehm. Ich lese übrigens gerade Wolf’s Hour von Robert McCammon – mehr dazu demnächst hier.

Abendsonne

Quo vadis, Europa?

Auf meinem Blog halte ich mich gewöhnlich mit politischen Themen zurück. Hier sollen – gemäß dem Blogtitel – mein Schreibkram und alles rund um Bücherwelten im Vordergrund stehen. Aber angesichts dessen, was zurzeit politisch und gesellschaftlich los ist, muss ich doch mal ein paar Worte dazu verlieren.

Quo vadis, Europa – wohin gehst du, Europa? Science-Fiction-Autoren neigen dazu, die Zukunft eher in düsteren Farben zu malen als in hellen. Da schließe ich mich selbst nicht aus. In mehreren SF-Storys habe ich die EU als „Kern-Union“ beschrieben, also als eine geschrumpfte gegenüber der, die wir heute haben. Allerdings bin ich dabei eher davon ausgegangen, dass die wirtschaftlich stärkeren Mitglieder die wirtschaftlich schwächeren abhängen – was auch kein schöner Gedanke ist.

Gestern haben die Briten gegen den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt. Das ist, für sich gesehen, vielleicht noch keine Katastrophe, aber es wird wohl zu einer werden, wenn diese Tendenz zum Spalten und Auseinandergehen weitere Kreise zieht. Schade finde ich vor allem, dass das Votum ein „Gegen“ und kein „Für“ ausgedrückt hat. Ein „Gegen“ auch hinsichtlich der friedlichen Gemeinschaft, die wir in Europa in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben. Die ist zwar beileibe kein perfektes, homogenes oder gerechtes Gebilde (was wohl auch nie in Gänze zu erreichen sein wird), aber eines, das auf Miteinander und Zusammenarbeit setzt anstatt auf Gegeneinander und Spaltung. Und auf Frieden anstatt auf Krieg.

Wie wichtig Letzteres ist, ist mir erstmals richtig klar geworden, als in den Neunzigern die grauenvollen Bilder über den Balkankrieg in allen Kanälen gezeigt wurden. Dass wir es in Europa seit dem verheerenden Zweiten Weltkrieg – auch als Lehre aus ebendiesem und dem Weltkrieg davor – geschafft haben, Freundschaften oder Partnerschaften über viele Grenzen hinweg aufzubauen und ohne Waffengewalt miteinander zu streiten, halte ich für eine herausragende Leistung der Europäer. Zu Beginn des Balkankrieges – in einer Region quasi hier um die Ecke, wo Verwandte und Freunde kurz zuvor noch Urlaub gemacht hatten –, erinnerte ich mich an den Geschichtsunterricht in der Schule und an die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, die seit dem Mittelalter auf europäischem Territorium nahezu pausenlos geführt wurden. Und welches Leid sie immer wieder über die Menschen in Europa gebracht haben. Bei einem Urlaub in Kroatien vor einigen Jahren zeigten mir Ruinen (unter anderem zerstörte Kriegerdenkmäler, bei denen die Tafeln mit den Namen der Gefallenen zerbrochen worden waren, wohl um die Namen unkenntlich zu machen und aus dem Gedächtnis zu löschen, was mich später zu einer Kurzgeschichte inspirierte) und die seelischen Wunden, die bei vielen Einheimischen noch immer zu spüren waren, wie sich so etwas anfühlt.

Dass die Briten nicht in der EU bleiben, heißt nicht, dass sie keine Europäer mehr sind. Aber es bedeutet auch nicht, dass jetzt irgendetwas besser wird – weder in Großbritannien, das möglicherweise auseinanderfällt (weil sich Schotten und Nordiren von England zum Teil mehr gegängelt fühlen als von der EU), noch im Rest Europas, das sich möglicherweise weiter spaltet. Von den wirtschaftlichen Konsequenzen ganz zu schweigen. Aber vielleicht setzt sich bei den in der Gemeinschaft Verbleibenden ja die Erkenntnis durch, dass die Europäer gemeinsam mehr erreichen und ein besseres Leben führen können, als wenn jeder für sich allein und womöglich gegen die anderen vor sich hin wurschtelt. Gemeinsame Projekte stärken nicht nur die Wirtschaftskraft des europäischen Raumes und sichern somit Arbeitsplätze – auch gegenüber den Wirtschaftsmächten in Amerika und Asien – oder ermöglichen einen halbwegs wirksamen Umweltschutz, sondern helfen auch dabei, weiterhin friedlich miteinander auszukommen und notfalls mit Argumenten anstatt mit Waffen zu streiten. Wie schnell heutzutage Fanatiker und selbst Leute, die man (noch) nicht als solche einstuft, mit Gewalt ihre Interessen durchsetzen oder einfach nur zerstören wollen, erleben wir seit einigen Jahren immer häufiger – nicht nur unter dem Schlagwort „Terrorismus“.

Ich bin froh um jeden, der besonnen reagiert und Gemeinschaftliches und Verbindendes hervorhebt, selbst wenn er mit seinem Kreuzchen nur für das kleinere Übel votiert, wie es viele Briten gestern sicher getan haben, die für ein Verbleiben gestimmt haben. Bleibt zu hoffen, dass unsere Gemeinschaft es zukünftig besser hinbekommt, ihre „Union“ so auszugestalten, dass alle damit leben können (leben und leben lassen). Auch die künftigen Generationen (gerade die jungen Briten würden mehrheitlich lieber in der EU bleiben – die Älteren haben traurigerweise also auch gegen ihre eigene Jugend gestimmt). Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Aber bitte ohne Hackbeil.

Happy End für Zwei- und Vierbeiner

Zwei Tage lang irrte in unserer Nachbarschaft eine grau-weiße Katze umher und bettelte jeden um Futter an, der ihren Weg kreuzte. Als sie gestern auf unserer Grundstücksmauer saß und jämmerlich miaute, hockte Revierbeschützerkatze Zilli angespannt auf diversen Beobachtungsplätzen und schaute mich gelegentlich fragend, manchmal auch klagend an. Die Fremde hielt Abstand zu Zilli – entweder ist sie gut erzogen oder sie war total verängstigt. Niemand aus der Straße kannte die Katze. Als sie bei einem Nachbarn den Hof okkupierte, spendierte ich Nassfutter, das sie mit Heißhunger verschlang. Die Ärmste war wohl ziemlich ausgehungert.

Beobachtungsposten

Heute irrte sie wieder umher und maunzte jeden an, der vorbeikam. Hungern musste sie dank Nachbarschaftshilfe nicht mehr. Und seit eine Nachbarin mit ihr beim Tierarzt war und den Chip lesen ließ, wissen wir, dass die Katze eigentlich zehn Kilometer entfernt wohnt. Möglicherweise ist sie dort in ein Auto eingestiegen und heimlich mitgefahren – da niemand von uns kätzisch spricht und Zilli nicht als Dolmetscherin aushelfen wollte, wissen wir es nicht.

Jedenfalls hat die ganze Geschichte ein Happy End für die Familie, bei der die Katze wohnt (sie hatten die Hoffnung nach zwei Wochen Abwesenheit schon fast aufgegeben). Und ein Happy End für mindestens zwei Katzen: Die Fremde darf nach den für sie sicherlich schlimmen Wochen wieder heim, und Zilli ist froh, dass sie ihr Revier wieder für sich hat (der Eindringling lässt sich nämlich seit zwei Wochen nicht mehr blicken).

Warum ich lese

Auf Marc Ahlburgs Blog Lesen macht glücklich bin kürzlich auf einen Eintrag gestoßen, in dem es darum geht, warum er überhaupt liest. Inspirieren ließ er sich, wie einige andere Blogger auch, von einem Text auf Sandro Abbates Literaturblog Novelero. Da ich tatsächlich wohl noch nie ernsthaft darüber nachgedacht habe, warum ich eigentlich lese – oder warum ich gerne lese – fasse ich die Gedanken, die ich mir seitdem dazu gemacht habe, hier einmal zusammen:

Spontan dachte ich: Warum Lesen? Sollte man nicht andersherum fragen: Warum nicht? Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun, aber viele Gründe, es zu tun. Also, keine Frage, oder? Aber natürlich steckt ein bisschen mehr dahinter.

Als Kind wurde mir vorgelesen (Märchen auf jeden Fall, daran kann ich mich noch gut erinnern – Das Märchenkarussell besitze ich heute noch, auch wenn die alte, mit einer Schulbuchschutzhülle umgebene Ausgabe von 1969 schon einiges mitgemacht hat), das war vermutlich der Grundstein für meine Leselust. Daher bedaure ich alle Kinder, die nicht das Glück haben, in einem Umfeld aufzuwachsen, wo man ihnen eben vorliest. Meine Eltern waren keine Akademiker, sondern Handwerker und Hausfrau, aber das hat sie (vor allem meine Mutter) nicht daran gehindert, mir vorzulesen.

Schreib-Tisch

Als ich selbst lesen lernte, war es für mich logisch, dass ich diese neu erworbene Fähigkeit auch nutze (und zwar nicht nur dazu, um im Fernsehprogramm nachzuschauen, was denn gerade geboten wird). So konnte ich – mit gewissen Einschränkungen natürlich – selbst bestimmen, was und wann ich lese. Und da es einen in jungen Jahren drängt, seinen Forschergeist auszuleben, blieb es nicht bei Märchen- und Kinderbüchern. Da zu dieser Zeit auch das Kino eine immer wichtigere Rolle in meinem Leben spielte, beeinflussten Filme verstärkt meine Lektüreauswahl. So griff ich zu Abenteuerromanen von Jules Verne, Robert Louis Stevenson und Alexandre Dumas, teilweise aus dem Wohnzimmerschrankregal, und wollte wissen, ob Robin Hood bei Sir Walter Scott anders dargestellt wurde als im Zeichentrickfilm von Walt Disney. Nachdem ich meinen ersten James-Bond-Streifen gesehen hatte, zog ich mir gleich mehrere 007-Romane von Ian Fleming rein. Und das ließe sich beliebig so fortsetzen.

James Bond im SchuberNeben Comics (vor allem Asterix, Disneys Lustige Taschenbücher, Silberpfeil und Superheldenkram) las ich viele Jugendbücher, die ich regelmäßig geschenkt bekam und mit denen ich mein eigenes Bücherregal bestückte. Aus der Pfarrbibliothek lieh ich mir hauptsächlich Krimis von Agatha Christie und Arthur Conan Doyle aus. Parallel dazu bekam ich aus dem Fundus meines Vaters und von einem Cousin die ersten Heftromane in die Finger und las Jerry Cotton (auf den ich viele Jahre später wieder stoßen sollte, indem ich zum Remake Cotton Reloaded zwei Romane beisteuern durfte), Gespenster-Krimi, Professor Zamorra und John Sinclair – letzteren sammelte ich sogar über mehrere Jahre hinweg.

Fasziniert war ich vom Geschichtenerzählen an sich, egal ob in Romanform, im Comic oder im Film. Der Schritt zum eigenen Storytelling war für mich fast logisch: Die Geschichten mussten aus dem Kopf raus, egal ob in gezeichneter oder niedergeschriebener Form (oder als krude Mischung aus beidem). Hätte es damals schon die Möglichkeiten gegeben, mit einfachen Mitteln Filme zu drehen, hätte ich sicherlich auch das ausprobiert. Da sich meine Zeichenkünste in Grenzen halten, bin ich beim Schreiben hängengeblieben.

Mit dem Neuentdecken von Autoren und Lesestoffen änderten sich meine Vorlieben, nicht aber die Leselust. In der Mittelstufe besorgte unser Deutschlehrer irgendwann für die gesamte Klasse die Taschenbuchausgabe vom Herrn der Fliegen, den wir nach Orwells 1984 noch als Lektüre lesen sollten, was aber dann zeitlich nicht mehr klappte, weil sich das Schuljahr dem Ende zuneigte. Viele meiner Klassenkameraden haben den Roman vermutlich bis heute nicht gelesen – ich war zu Anfang der Sommerferien bereits damit durch; ganz freiwillig, ohne den Zwang, das Buch lesen zu müssen. Und war schlichtweg begeistert. Als ich einige Jahre später das Thema für meine Facharbeit aus einer Liste aussuchen sollte, fiel meine Wahl recht schnell auf „John Steinbecks Of Mice and Men vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise“, während sich die meisten anderen Englisch-Leistungskursler irgendwelche Themen aussuchten, die mit Literatur nichts zu tun hatten. Fontanes Effi Briest und Dürrenmatts Die Physiker stellten sich als nicht ganz so ätzend heraus, wie ich zunächst befürchtet hatte, und selbst dem ollen Macbeth im englischen Original konnte ich etwas abgewinnen. Auf Kurzgeschichten von Dahl, Hemingway und Poe (die mich eher ansprachen als die von Borchert oder Lenz) brachte mich mein bester (weil inspirierender) Deutschlehrer, und selbst auf Stephen King stieß ich in der Schule – allerdings nicht im offiziellen Unterricht, sondern durch einen Klassenkameraden, der Christine unter der Tischplatte las, weil der Roman gerade so spannend war und er nicht bis nach Schulschluss warten wollte, um zu erfahren, wie es weitergeht.

Nach der Schulzeit schlummerte meine Leselust eine Zeit lang, und mit dem Schreiben war es für etliche Jahre erst mal vorbei – mit bestandenem Schulabschluss hat man so viele andere Dinge im Kopf, und der einzige Bücher- und Schreibkram, mit dem ich mich in dieser Zeit herumschlug, waren Lernunterlagen und Klausuren für die Aus- und Fortbildung. Erst nach und nach kaufte ich wieder Belletristik und las allmählich wieder regelmäßiger. Auslöser war unter anderem mein Bruder, eine mindestens ebenso große Leseratte wie ich, der mir einige Science-Fiction-Schmöker aus seinem Fundus lieh, was mich daran erinnerte, wie viel Spaß mir Jules Vernes Romane einst bereitet hatten. Mit der Anschaffung meines ersten privaten PCs begann ich auch wieder mit dem Schreiben, was sich zunächst auf Kurzgeschichten beschränkte, die gelegentlich jedoch lang und länger wurden.

Warum lese ich? Weil ich es irgendwann mal gelernt habe und es für mich einfach dazugehört, mehr damit anzufangen, als nur die Artikelnamen im Supermarkt oder die Untertitel eines Films zu entziffern. Und wie das Lesen dazugehört, gehören auch Bücher dazu: Für mich ist es unvorstellbar, in einer Wohnung zu leben, in der ich nicht von Büchern umgeben bin. Die sind noch wichtiger als Bilder an der Wand oder Pflanzen. Mittlerweile sind sämtliche Regale übervoll, und gelegentlich muss ich weniger wichtige oder interessante Bücher (beziehungswiese solche, die ich kein zweites Mal lesen mag) in die zweite Reihe oder anderswohin verbannen, was mich jedes Mal aufs Neue schmerzt.