Archiv der Kategorie: Musik

35 Jahre „Computerwelt“ von Kraftwerk

Vor 35 Jahren – im Mai 1981 – veröffentlichte Kraftwerk mit Computerwelt das achte Album, gleichzeitig war das meine allererste Kraftwerk-Platte. Noch dazu eine, die meinen Musikgeschmack nachhaltig geprägt hat wie wohl keine andere.

Computerwelt-LPUnd dabei hab ich die LP damals zunächst nur gekauft, weil ein Schulfreund sie sich zum Geburtstag gewünscht hatte. Natürlich hab ich sie, wie das damals üblich war, vorm Verschenken auf Kassette aufgenommen – und bald danach auf Vinyl nachgekauft, weil ich diese Platte unbedingt selbst besitzen musste. Davor hatte ich von Kraftwerk wohl nur die Single Das Modell gekannt, die auch im Radio gespielt wurde, und noch Die Roboter, glaub ich, aber das war es auch schon. Später hab ich dann die anderen Kraftwerk-Scheiben nach und nach in meine Plattensammlung einverleibt und rauf- und runtergespielt.

Wie visionär und wegweisend – sowohl elektro-musikalisch als auch computer-entwicklungstechnisch – das Computerwelt-Album war und ist, konnte ich damals noch nicht ahnen. Kraftwerks Maschinenmusik war Ursprung für vieles, was sich später Electronic Body Music, Elektro-Funk, Elektro-Pop oder Techno nannte. Computerwelt, Nummern oder It’s More Fun To Compute zum Beispiel waren längst Techno- und Elektro-Hymnen, bevor Techno Anfang der Neunzigerjahre massenkompatibel wurde. Und was den Computer fürs Eigenheim betrifft: Die sind heute – vom PC bis zum Smartphone – längst Alltag und nicht mehr zu übersehen.

American Werewolf

Gestern war Vollmond. Was lag also näher, als wieder einmal American Werewolf anzuschauen? Genau: nichts.

American WerewolfAn American Werewolf in London aus dem Jahr 1981 dürfte der erste Film gewesen sein, den ich zweimal kurz hintereinander im Kino gesehen habe. Damals wollte das noch was heißen, weil das Taschengeld immer knapp war. Aber der Streifen hat mich auf Anhieb gepackt. Nicht nur die Tricktechnik, mit der Regisseur John Landis und Effekte-Genie Rick Baker wohl zum ersten Mal so ausführlich und realistisch anmutend eine Verwandlung in einen Werwolf gezeigt haben (Das Tier von Joe Dante kannte ich damals noch nicht, wobei die Verwandlungen dort nicht ganz so gelungen sind), sondern auch die Mischung aus Horror und schwarzem Humor fand ich klasse. Allein schon die Szenen, als David nackt im Zoo erwacht, dem Jungen die Luftballons abschwatzt und mit dem Bus nach Hause fahren muss, bereiten einen Heidenspaß.

Es dauert ungefähr eine Stunde, bis sich David nach der Wolfsattacke erstmals verwandelt, aber die ist sehr kurzweilig. Und wenn dann der Werwolf auf allen vieren läuft und sein Gebiss bleckt, wirkt das viel erschreckender als die auf zwei Beinen gehenden Wolfsmenschen. Lon Chaney jr. und Oliver Reed sahen dagegen eher aus wie traurige Teddybären mit Überbiss. Der spektakuläre Showdown am Piccadilly Circus erinnert mich auch heute noch an den Schluss aus King Kong – das Monster vom Lande findet in der großen Stadt, gejagt und in die Enge getrieben, im Angesicht seiner Liebsten sein Ende. Einfach schön (schaurig).

Der Soundtrack mit den ganzen Moon-Songs tut sein Übriges. Ich hab grad abwechselnd Blue Moon von Bobby Vinton und The Marcels im Ohr und werde diesen Ohrwurm jetzt vermutlich tagelang nicht mehr los. Aber was soll’s, immerhin hat der Song Heerscharen von Musikern beschäftigt und ebenfalls nicht mehr losgelassen. Er ist in zahlreichen Filmen zu hören. Es gibt auch Versionen von Sam Cooke, Elvis Presley, Frank Sinatra, Dean Martin, Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Glenn Miller und ungefähr 100 anderen – 113 Versionen insgesamt, wenn Wikipedia recht hat. Wow.

Drive

Manchmal stößt man ja rein zufällig auf Perlen – so geschehen, als kürzlich im ARD-Nachtprogramm Drive gezeigt wurde, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von James Sallis. Ich hab den Thriller, ohne viel darüber zu wissen, einfach mal aufgezeichnet und wollte ihn schon fast von meinem Festplattenrekorder löschen, weil der Anfang gefehlt hat (ich hab mich wohl beim Programmieren in der Anfangszeit vertan). Dann hab ich doch mal reingeschaut und mir kurz darauf die DVD gegönnt, weil mich der Film des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn aus dem Jahr 2011 auf Anhieb gepackt hat (im Gegensatz zu Refns Walhalla Rising von 2009, der zwar durch beeindruckende Bilder glänzt, mir aber recht langatmig erscheint).

Drive DVDRyan Gosling spielt einen Namenlosen, der tagsüber als Automechaniker und Stuntfahrer arbeitet und sich nachts in Los Angeles als Fahrer für Fluchtautos verdingt. Kriminelle heuern ihn an wie einen Chauffeur, nach dem Coup geht man getrennte Wege. Das funktioniert so lange, bis er eine Nachbarin näher kennenlernt, die ihren Sohn anscheinend alleine großzieht. Doch die Gute ist verheiratet, ihr Mann verbüßt gerade eine Haftstrafe. Als er entlassen wird, muss er eine Schuld aus dem Knast begleichen – indem er einen Raubüberfall begeht. Der Driver fährt den Fluchtwagen, und damit gerät sein weitgehend in der Anonymität des Großstadtmolochs geführtes Leben erst recht aus den Fugen.

Einer meiner Lieblingsfilme ist Michael Manns Heat mit Al Pacino und Robert De Niro. In vielen Szenen erinnert mich Drive an eben diesen Film. Refn lässt, wie auch Mann, oftmals nur die Bilder sprechen, gelegentlich untermalt von einem unaufdringlichen, aber sehr guten und effektiven Soundtrack. Drive CDDas Video zu Desires Under Your Spell zeigt recht gut, wie Refn mit seiner Inszenierung und dem Soundtrack teils melancholische, teils hypnotisch wirkende Bilderfolgen entwirft, die dann regelrecht explodieren, wenn der Driver hinter dem Steuer eines 300 PS starken Wagens sitzt und durch die Straßen von L.A. rast (wer den Film anschauen möchte, sollte das Video aber nicht komplett ansehen, denn es verrät fast zu viel vom Inhalt). Den Ohrwurm A Real Hero von College & Electric Youth krieg ich jetzt wahrscheinlich tagelang nicht mehr aus dem Ohr.

Szenen mit Gänsehauteffekt hat Refn wirklich drauf. Dabei hilft ihm natürlich das Darstellerensemble, der Film ist bis in die Nebenrollen exzellent besetzt. Wenn etwa der Driver und seine Nachbarin Blicke wechseln, die besagen: Was wäre gewesen, wenn wir uns zu einer anderen Zeit und unter anderen Umständen kennengelernt hätten …, dann braucht es keine Worte. Auch nicht, als der Driver versucht, eine immer weiter eskalierende Situation in den Griff zu bekommen – und zu überleben. Ryan Gosling erinnert mich dabei phasenweise an Steve McQueen; so überzeugend wie in dieser Rolle hab ich ihn noch nie gesehen. Die FSK-Freigabe ab 18 ist durch einige wenige Szenen gerechtfertigt. Drive ist aber beileibe keine Gewaltorgie, sondern ein cooler, fesselnder, wirklich beeindruckender Film.

NACHTRAG:
DriveInzwischen hab ich mir auch den Roman von James Sallis gegönnt, der bei Heyne erschienen ist und mit dem Deutschen Krimi Preis 2008 als bester Internationaler Roman ausgezeichnet wurde. Weil sie es auf den Punkt bringt, zitiere ich mal aus der Laudatio von Reinhard Jahn:
Ein Buch, so knapp und so lakonisch wie ein früher Clint Eastwood-Film. „Drive“ ist das, was man noir nennt – eine Skizze aus der Welt jenseits des Gesetzes – die nach ihren ganz eigenen Regeln funktioniert. Noir ist auch eine Schreibhaltung – die James Sallis perfekt beherrscht: lakonisch, auf den Punkt, kein Wort, kein Satz zuviel. Aber auch kein Wort und keinen Satz zu wenig.

E2-E4

E2-E4Zurzeit läuft bei mir E2-E4 von Manuel Göttsching mal wieder rauf und runter. Das Album beinhaltet ein 59 Minuten langes Stück, das Göttsching 1981 in einer einzigen Session aufgenommen hat und 1984 von Klaus Schulze auf Vinyl veröffentlicht wurde. Nachdem es 1989 für den 10-Minuten-House-Track Sueño Latino gesampelt worden war, hab ich versucht, die Originalplatte zu ergattern, bin damals aber nicht rangekommen (laut Wikipedia war das gute Stück auf 1000 Exemplare limitiert). Da es inzwischen mehrere Jubiläums-Neuauflagen gibt, ist es kein Problem mehr, das Album zu ergattern. Allerdings hab ich es mir auf CD besorgt, weil es da in einem durchspielt – beim Vinyl hat man ja das Problem, dass man nach der Hälfte die Platte umdrehen muss. Wen es interessiert, kann hier reinhören.

„Generator 666“ in der C’T

ct 6,2014Nach längerer Pause erscheint mal wieder eine SF-Story von mir im Computermagazin C’T. Generator 666 ist eine von zwei Kurzgeschichten, die ich letztes Jahr rund um das Thema Musik geschrieben habe, als ich gerade fleißig dabei war, meine alten Vinylplatten zu digitalisieren. Da auf meinen Platten zum Großteil Elektromukke zu finden ist, die ich früher mit zwei Technics-Turntables zusammengemixt habe, musste natürlich auch eine Story dabei sein, die sich rund um elektronische Musik, Deejaying, Nightclubbing und solche Sachen dreht. Heraus kam dabei besagter Generator 666, ein Programm, mit dem sich der Job des DJs und des Light- und Videojockeys in einem Club kombinieren lässt, ct 6,2014-S196und zwar auf eine Art und Weise, wie sie bislang technisch nicht möglich ist. Dass der Teufel im Detail steckt, versteht sich von selbst. Die Story gibt’s in der aktuellen Ausgabe 6/2014 der C’T zu lesen.

Die Geschichte passt zum Remix-Wettbewerb, den die C’T gerade veranstaltet. Zu einem vorgegebenen Musikstück konnten Remixe eingereicht werden, die Tracks der Finalisten werden vom 8. bis 30. März auf der Homepage des Magazins präsentiert. Ein Online-Voting ergänzt die Abstimmung einer Fachjury.

Etwas zeitverzögert kann man übrigens im Heise-Shop die C’T-Storys – oder auch Artikel – einzeln zum Download erwerben: einfach den Titel in die Suchmaske eingeben.

Daft Punk

Daft Punk räumen fünf Grammys ab – eine solche Schlagzeile hätte ich vor fast zwanzig Jahren für unmöglich gehalten, als mir mein Plattenhändler mit dem Spruch „Die musst du haben!“ die Doppel-Maxi Da Funk / Rollin’ & Scratchin’ unter die Nase hielt: kurz angespielt, und ja, die musste ich haben. Und dazu Indo Silver Club. Von da an hab ich auf neues Vinyl des Duos Thomas Bangalter und Guillaume Emmanuel gewartet. 1997 kam dann ihr erstes Album Homework mit Tracks wie Revolution 909, Around The World, Burnin’ und Alive – ein absolutes Hammeralbum.

Leider wurden Daft Punk in den Folgejahren immer kommerzieller, echt schade. Mittlerweile sind das eher groovige Discotracks oder Songs, wie etwa das Grammy-prämierte Get Lucky, das mich stark an Chic erinnert. Das beste Stück auf dem neuen Album Random Access Memories ist für mich noch das Elektrofunk-orientierte Doin’ It Right, das an die Sachen aus den Neunzigern rankommt. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben – vielleicht finden sie irgendwann wieder zurück zu ihren Wurzeln.

Ach ja, ganz am Rande: Kraftwerk haben den Ehrengrammy für ihr Lebenswerk erhalten. Zeit war’s!

Playlist Juli 2013

Beim Digitalisieren meiner Schallplatten bin ich mittlerweile im Jahr 1994 angekommen und stelle fest, dass ich in diesem Jahr immens viel Geld für Vinyl ausgegeben habe … Jedenfalls ist der Stapel an Platten, der sich in diesem Jahr angesammelt hat, deutlich größer als in den Jahren davor. LPs hab ich bisher noch weitgehend außen vor gelassen, zunächst sind mal die Maxi-Singles dran. Mein aktueller Mix beinhaltet eine Auswahl von Tracks, die ich bisher in MP3 umgewandelt habe, etwa die Hälfte des gesamten Jahres 1994:

The Boss – Congo (Ministry Anthem)
Left Hand Down – Viva Dubs Pt2
Smooth Touch – House Of Love (Raise Your House Mix)
Roach Motel – Wild Luv
Rejuvination – Requiem (Part 1)
Circle City – Moments Of Inertia
Havana – Discorder
3 Phase – Rota
Marmion – Schöneberg (Marmion-Remix)
Rebel Youth Vol. 2 – Deep Star
X-313 – Spectra (Hardsignal Treatment)
Acid Scout – 4°
Klatsch – God Save The Queer
Strawberry Bazaar – Draconia
Delta Lady – Anything You Want (Delta Dub Charge)
Metal Masters – Spectrum (Caspar Pound Mix)
Atlantis – Awakenings
Mis Jah Roon – Turn Me On
The Rising Sons – Afghan Acid (Toxic 2 Remix)
Harri – Phuxache (Bunker Mix)
Phuture Scope – What Is House Muzik? (Wild Pitch Mix)
Gemini – The Beginning
Robert Armani – Basement Rats
Dissidenten – Jungle Book Part 2 (Mantra-Trance Mix)
Aphrohead – In The Dark We Live (Dave Clarke’s 313 Mix)
Dave Clarke Presents Red 1 – Protective Custody
Laurent Garnier – Planet Sex (S & R In Psycho Sex On Planet Earth Mix)
Earth Nation – Alienated
Resistance D – Sonntagsmorgenruhe
St Germain – Alabama Blues (1965 Mix)
Shazz – Lost Illusions (Apple Mix)
Hardfloor – Confuss
Love Inc. – Trance Atlantic Excess (Part 3)
Acid Junkies – Acid Engine
Planetary Assault Systems – In From The Day
Dark Globe – The Ascendor
Solitaire Gee – Voodoo Stompin’
Head Nodding Society – Head On (Refined Work-Mix)
Dave Clarke Presents Red 2 – Wisdom To The Wise
Mojo Risin – Out There
Dual Mount – Sub Buss
L.S.G. – Fragile (Gravity Fools The Magician Remix By Vapour Space)
Humate – Spacetribe
Jens – The Choice
Disco Volante – Disco Volante (Insanity Mix)
Fred Gianelli – The Kooky Scientist
F Machine – Lost In America (F Machine Amtrak Mix)
A Mission Into Drums – Maya & Aliens
Limited Area – Inside Labyrinth
Hoth – System 2
Lazonby – Sacred Cycles
The Resonant Interval – Memory
Secret Cinema – Timeless Altitude
Man With No Name – Teleport
Techfunkers – Rock Da TechFunk
Vinyl Blair – Horsework (Vinyl’s Source Radish Mix)
Oscillator – System
The Stickmen – Turn Your Back
James Christian – On & Away
Distant Drums – Work That Body (Mix 1)
Rejuvination – Sychophantasy
Man With No Name – Sly-Ed
Baby Doc & The Dentist – Catalan Dawn Pt. 1
Voodoo Child – Horses
Cosmic Baby – Fantasia
X-Press 2 – Rock 2 House (Plastikman’s Acid House Remix)
Koxbox – Acid Vol. 3
Sven Väth – Harlequin: The Beauty And The Beast
Tata Box Inhibitors – Plasmids (Placid Mix)
Emmanuel TOP – Turkich Bazar
A Mission Into Drums – The Closed Eye View