Archiv der Kategorie: Film & TV

King Kong

Wenn ich mir überlege, welche Figur mich zum Phantastik-Fan gemacht hat, dann war das weder Dracula noch Frankenstein, es war nicht der Wolfsmensch oder Kapitän Nemo, nicht Luke Skywalker oder Han Solo, auch nicht Captain Apollo oder Lieutenant Starbuck; vielmehr war es ein riesiger Gorilla, der sich in eine blonde Frau verguckt hat: King Kong.

king-kong-1976Meine erste Begegnung mit Kong hatte ich im Kino auf einer beeindruckend großen Leinwand. Daran kann ich mich noch erinnern, als ob es erst wenige Jahre zurückläge. Und dabei sind es schon mehr als vier Jahrzehnte … Im Alter von neuneinhalb Jahren war ich mit meinem Vater in einer Wiederaufführung von 20.000 Meilen unter dem Meer mit Kirk Douglas und James Mason – an sich schon ein Ereignis für mich, doch der Teaser-Trailer im Vorprogramm toppte es sogar noch: Er kommt, hieß es da, und: Kong. Dazu die Szenen aus der 1976er-Verfilmung, in der Dwan von den Eingeborenen unter Fackellicht und peitschenden, adrenalinanregenden Trommelrhythmen durch das Tor in der gigantischen Holzmauer getragen und auf einem Podest an zwei Pfähle gebunden wird, wo sie auf den wartet, der da tonnenschwer durch den nächtlichen Dschungel stapft. Zuerst sieht man nur die sich bewegenden Baumwipfel, dann seine Augen, und schließlich bricht King Kong die Bäume wie Streichhölzer und betritt die Lichtung. Und dann der die ganze, gut fünfzehn Meter breite CinemaScope-Leinwand füllende Schriftzug: KING KONG. Ich war hin und weg. Aber so was von.

Dass die 1976er Verfilmung bei den Kritikern nicht ganz so gut wegkam, ist aus objektiven Gesichtspunkten nachzuvollziehen. Für mich allerdings war dieser Film der erste „große“, den ich mit gerade mal zehn Jahren, es war kurz vor Weihnachten, sehen durfte. Und seitdem nimmt er eine besondere Stellung bei mir ein. Es war für mich auch der erste Film, bei dem ich die gesamte Marketingkampagne vorher voll mitgemacht habe: Überall riesengroße Filmplakate, mehrseitige Berichte in BUNTE & Co. (die ich ausgeschnitten und in einem Ordner gesammelt habe), Vorbericht in Kino Kino (damals noch von Helmut Lange moderiert), King-Kong-Comic und vieles mehr. Der Film schließlich war für mich so aufregend, dass ich abends nach dem Kinobesuch nicht einschlafen konnte. Und von da an hat mich King Kong schlichtweg fasziniert. Das lag sicherlich auch an der Musik von John Barry, der später mit dem Soundtrack zu Der mit dem Wolf tanzt wohl sein Meisterstück abgeliefert und etliche James-Bond-Filme musikalisch begleitet hat. Die beeindruckendsten Szenen (Kongs erster Auftritt und Dwans Tränen, als Kong tot vor dem World Trade Center liegt) verdanken ihre Wirkung gerade der Musikuntermalung.

king-kong-und-die-weisse-frauIch hab natürlich auch King Kong und die weiße Frau gesehen, als er im TV ausgestrahlt wurde (ausnahmsweise durfte ich ihn zu nachtschlafender Zeit unter mütterlicher Beaufsichtigung anschauen). War natürlich mit den ganzen Dinosauriern, die da auftauchen, ebenfalls sehr aufregend, auch wenn’s auf dem kleinen Fernsehschirm in Schwarz-Weiß und mit dezentem Ton nicht ganz so imposant gewirkt hat wie auf der Kinoleinwand mit Bombastsound. 2005 kam dann die Verfilmung von Peter Jackson, die tricktechnisch dank CGI die anderen natürlich in den Schatten stellt, aber mit drei Stunden auch etwas lang geraten ist. In den letzten Tagen hab ich alle drei Filme wieder mal angesehen. Müsste ich meinen Favoriten benennen, könnte ich das nicht. Jeder der Filme hat für mich seinen ganz besonderen Reiz, wobei für den 1976er Kong eine Riesenportion Nostalgie mitschwingt.

king-kong-romanVor einigen Jahren hab ich mir den Roman zum Dreißigerjahre-Film gekauft, den Delos W. Lovelace nach dem Drehbuch von Edgar Wallace und Merian C. Cooper verfasst hat. Da gibt es ein schön gestaltetes Hardcover vom Verlag Walde + Graf bei Metrolit von 2012, das von Chrigel Farner mit vielen Illustrationen geschmückt wurde. Der Roman kam 1932 heraus, also noch vor dem Kinostart des Films im Jahr 1933. Inhaltlich gibt es geringfügige Abweichungen, da die erste Drehbuchfassung von Edgar Wallace wohl mehrfach überarbeitet wurde. Liest sich mit einer Nostalgiebrille aber auch heute noch sehr gut.

Tja, und demnächst kommt King Kong wieder ins Kino: Im März startet Kong – Skull Island. Man darf gespannt sein, der Trailer ist optisch schon mal recht ansprechend, auch wenn die Story mit der klassischen wohl nicht viel zu tun hat.

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Futureworld

In Futureworld – Das Land von übermorgen (1976), der Fortsetzung von Westworld (1973), wird einiges von dem aufgeriffen, was man beim ersten Film gern noch gewusst hätte. Steckt womöglich viel mehr hinter dem außergewöhnlichen Freizeitpark, als es für die Gäste und die Außenwelt den Anschein hat?

futureworldEinige Jahre nach der Katastrophe in Delos, bei der viele Gäste und Angestellte durch die „Rebellion“ der Maschinenmenschen ums Leben kamen, wird der Freizeitpark wiedereröffnet. Durch neue Technik und Sicherheitsmaßnahmen soll eine Wiederholung des Amoklaufs der Androiden verhindert werden. Zeitungsreporter Browning (Peter Fonda) schließt sich einer Reihe von Journalisten an, die auf Einladung des Park-Leiters Duffy (Arthur Hill) die neuen Anlagen inspizieren. Sie sollen Delos möglichst positive Publicity verschaffen, denn die Buchungszahlen sind noch ausbaufähig. Doch Browning weiß von einem Informanten, dass wohl nicht alles im Park mit rechten Dingen zugeht. Bevor der Informant mehr ausplaudern kann, wird er ermordet. Also recherchiert Browning abseits seiner Kollegen und deckt eine Verschwörung auf, deren Ausmaß er nicht für möglich gehalten hätte.

Michael Crichton war an dieser Fortsetzung nicht mehr beteiligt, Regie führte Richard T. Heffron. In Futurewold werden neue Bereiche des Parks vorgestellt, so etwa eine Zukunftswelt, und es werden die Hintergründe des Parks näher beleuchtet, die weit über das Angebot eines exklusiven Urlaubsangebots für Gutbetuchte hinausgehen. Allerdings stand ein geringeres Budget zur Verfügung als bei Westworld, weswegen keine aufwändigen Kulissen gebaut werden konnten. Stattdessen wich man auf vorhandene Locations wie das NASA Space Center aus.

Interessant ist Futureworld auch aus filmhistorischer Sicht. Denn es war nicht Star Wars, in dem 1977 die ersten computergenerierten Trickeffekte gezeigt wurden (animiertes Drahtgittermodell des Todessterns), sondern tatsächlich die Westworld-Fortsetzung, in der ein Jahr zuvor bereits 3D-Rendergrafiken einer Hand und eines Kopfes verwendet wurden. Geschaffen unter anderem von dem damaligen Universitäts-Doktoranden Edwin Catmull, der später mit Lucasfilm zusammenarbeitete und 1986 mit Apple-Mitgründer Steve Jobs die Firma Pixar Animation gründete, der Filme wie Toy Story, Die Monster AG, Findet Nemo, Die Unglaublichen und WALL-E zu verdanken sind.

Westworld

Gestern hab ich wieder einmal den SF-Klassiker Westworld von Michael Crichton (Drehbuch & Regie) angeschaut. Nicht nur, weil demnächst die gleichnamige TV-Serie startet, aber auch deswegen – denn die Grundidee gibt einiges mehr her, als in dem 85-Minuten-Film aus dem Jahr 1973 (inklusive der Fortsetzung Futureworld von 1976) gezeigt wird. Erstmals hab ich den Film im Alter von 14 Jahren gesehen, als er Anfang der Achtzigerjahre in der SF-Reihe der ARD (die mein Faible für Science Fiction maßgeblich mitbeeinflusst hat) ausgestrahlt wurde. Damals war ich begeistert, und diese Begeisterung hat sich – natürlich mit gehörigem Nostalgiefaktor – mit kleinen Abstrichen bis heute gehalten.

WestworldDelos ist ein Freizeitpark, wie es ihn noch nie gab: Für 1000 Dollar pro Tag können die Gäste nicht nur eine Urlaubsreise in eine andere Region, sondern vor allem einen Abenteuertrip in eine andere Zeit machen. Sie können auswählen zwischen der Westernwelt, die dem Jahr 1880 nachempfunden ist, einer Mittelalterwelt und einer Nachbildung des antiken Rom. Peter Martin (Richard Benjamin) und John Blane (James Brolin) haben sich für die Westernwelt entschieden, in der sie ihrem stressigen Alltag entfliehen können. Und nicht nur das: Sie können sich dort nach Herzenslust austoben, denn Delos ist mit Robotern bevölkert, die man auf den ersten Blick nicht von normalen Menschen oder Tieren unterscheiden kann. So ist es für die Gäste zum Beispiel möglich, Revolverduelle wie im Wilden Westen zu bestehen und dabei das Maschinen-Gegenüber zu erschießen, ohne selbst wirklich in Gefahr zu geraten – und natürlich auch ohne dafür verhaftet zu werden (es sei denn „zum Spaß“ vom Sheriff des Westernstädtchens). Martin und Blane juckt gerade diese Möglichkeit in den Fingern, und sie machen reichlich von ihren Colts Gebrauch. Alle Schusswaffen sind so modifiziert, dass man damit nicht auf Wärme abstrahlende Menschen oder echte Tiere schießen kann, sondern nur auf Roboter-Revolvermänner wie den Gunslinger (Yul Brynner trägt dasselbe Outfit wie in seinem wohl berühmtesten Western Die glorreichen Sieben) oder auf Roboter-Klapperschlangen. Doch jede Technik kann auch versagen, und hier führt dies zu einer Katastrophe.

Natürlich ist das, was den Urlaubern angeboten wird, teilweise moralisch fragwürdig – wobei auch heutzutage so manches reale Urlaubsangebot sehr fragwürdig ist. Über die Logik darf man nicht allzu intensiv nachdenken, denn die Ausgestaltung des Freizeitparks ist nicht immer konsequent. So wird immer wieder behauptet, dass die Sicherheit der Gäste oberste Priorität hat, aber dann dürfte man eigentlich in der Westernwelt keine Kneipenschlägereien und in der Mittelalterwelt keine Schwertkämpfe inszenieren, an denen Gäste beteiligt sind, weil trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Verletzungsrisiko gerade für ungeübte Gäste zu hoch wäre. Aber bei diesem Film kann ich das verschmerzen, weil der Nostalgiefaktor dies wettmacht. Im Alter von 14 Jahren hätte ich einen wie im Film gezeigten Freizeitpark liebend gern selbst besucht – natürlich ohne den katastrophalen Ausgang. Die Grundidee, die Michael Crichton später noch einmal für Jurassic Park verwendet hat, fand ich damals absolut faszinierend – und obwohl mir inzwischen viele andere interessante futuristische Ideen untergekommen sind, bleibt dieses Setting faszinierend.

Was dem Film fehlt – zum Beispiel die Nutzung der Robotertechnik auch für andere Bereiche als das Urlaubsvergnügen gutbetuchter Gäste – zeigt zum Teil die Fortsetzung Futureworld – Das Land von übermorgen. Aber für die im Oktober startende HBO-Serie, bei der J.J. Abrams und Christopher Nolans Bruder Jonathan mitmischen, bleibt noch viel übrig, was man aus dem Thema machen kann. Somit darf man gespannt sein.

Game of Thrones 6. Staffel

Was David Benioff, D. B. Weiss und ihr Team zusammen mit George R. R. Martin in ihren bislang 60 Episoden von Game of Thrones geschaffen haben, ist wohl einzigartig und dürfte so schnell nicht zu toppen sein. Ähnliches galt – oder gilt immer noch – für die inzwischen mehr als zwölf Jahre „alte“ Herr-der-Ringe-Trilogie (das ist tatsächlich schon so lange her).

Innerhalb dieser epischen Saga um den intriganten Thronfolgerwettbewerb ist so viel passiert, dass ich selbst beim Nochmalschauen der bisherigen Staffeln einiges quasi „neu“ wiederentdecken konnte, und die Gänsehautmomente früherer Marathon-GoT-Sessions sind auch heute noch Gänsehautmomente. Viele Figuren sind längst nicht mehr dabei, trotzdem hält die Serie immer noch – bzw. immer wieder – ein Ensemble bereit, das vielschichtiger kaum sein könnte. Und wenn man geglaubt hat, die Bösewichter aus den ersten Staffeln wären Bösewichter schlechthin, wird man immer wieder eines Besseren belehrt. Die 6. Staffel hält viele Überraschungen bereit, auch wenn manches vorher schon durchgesickert ist. Selbst wenn sich einiges erahnen lässt, kann man nie sicher sein, ob es auch tatsächlich eintritt. Ich kenne Martins Romanvorlage nicht, gehe also „unvorbelastet“ an die Serie heran, die inzwischen den Büchern davoneilt, wenn ich richtig informiert bin (schreibt Martin eigentlich sein eigenes Finale oder orientiert er sich künftig an der HBO-Serie?). Damit, dass so viele Hauptfiguren ausscheiden, hätte ich anfangs nicht gerechnet. Inzwischen ist man daran gewöhnt – und trotzdem wieder überrascht, denn in Sachen Figurensterben setzt diese Staffel der ganzen Serie die Krone auf.

Bei anderen Serien oder Reihen kam oftmals der Punkt, an dem die Macher einiges oder vieles von dem, was sie vorher richtig gemacht hatten, auf andere Weise fortführen oder gar steigern wollten und damit nicht an das zuvor Geschaffene anknüpfen konnten. Star Wars ist so ein Beispiel, Star Trek ebenfalls, und auch die Hobbit-Verfilmung reicht nicht an den Herrn der Ringe heran (was angesichts der Aufblähung zur Trilogie allerdings nicht anders zu erwarten war). Gespannt darf man sein, wie es bei Avatar weitergeht, aber das dauert noch ein Weilchen. Bei Benioff, Weiss & Co. beschleicht mich nach der konsequenten Steigerung von Staffel zu Staffel das Gefühl, dass sie es hinbekommen werden: Noch zwei Staffeln sind geplant, und irgendwie habe ich angesichts der Entwicklung innerhalb der bisherigen Staffeln keine Sorge, dass sie es vergeigen könnten – ganz im Gegenteil. Zum Finale der 6. Staffel fügt sich einiges zusammen, was sich von Anfang an angedeutet hat. Die Episoden 9 und 10 zusammengenommen sind im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend – eigentlich müsste man sie auf einer Riesenkinoleinwand ansehen. Obwohl das bisher schon grandios ist, kann ich mich angesichts dessen, was logischerweise noch folgen wird – der Krieg der Totenarmee gegen den Rest der Welt – des Eindrucks nicht erwehren, dass es jetzt erst richtig losgeht.

Bridge of Spies – Der Unterhändler

Steven Spielberg hat ein Händchen für interessante Filmstoffe. Und seine Bandbreite ist riesengroß: Der weiße Hai, Jäger des verlorenen Schatzes, E.T., Die Farbe Lila, Jurassic Park, Schindlers Liste, Amistad, Der Soldat James Ryan, Minority Report, Catch Me If You Can, Krieg der Welten, München, Lincoln – das ist nur eine kleine Auswahl. Eine weitere Facette hat er 2015 mit Bridge of Spies – Der Unterhändler hinzugefügt. Der Film gehört in die Kategorie „Historisches“, und wie bei Schindlers Liste, Der Soldat James Ryan und München greift er ein Kapitel auf, das eng mit der deutschen Geschichte verknüpft ist. Diesmal als amerikanisch-deutsche Co-Produktion, viele Szenen wurden im Potsdamer Studio Babelsberg gedreht.

Bridge of Spies1957 wird in New York der Kunstmaler Rudolf Abel (Oscar für Mark Rylance als bester Nebendarsteller) wegen Spionageverdacht verhaftet. James Donovan (Tom Hanks) übernimmt gegen den Willen seiner Ehefrau die Pflichtverteidigung im Prozess und wird fortan als Verräter beschimpft, weil er einem russischen Feind hilft. Doch Donovan ist eiserner Verfechter des Rechtsstaats, der auch einem Spion die bestmögliche Verteidigung zugesteht, zumal es bei der Verhaftung Verfahrensfehler gab. Als Donovan sich nach Abels Verurteilung gegen die Todesstrafe ausspricht, beweist er nicht nur seine humane Einstellung, sondern auch Weitsicht: Irgendwann werden US-Spione im ausufernden Kalten Krieg in russische Gefangenschaft geraten, und dann ist man vielleicht froh, wenn man jemanden für einen Gefangenenaustausch hat. Im Jahr 1960 wird ein US-Pilot, der im Auftrag der CIA aus großer Höhe Fotos von Militäranlagen der Sowjetunion macht, mit seinem Flugzeug abgeschossen. Er begeht nicht Selbstmord, wie es ihm von der CIA eingetrichtert wurde, sondern gerät in Gefangenschaft. Nun erinnert man sich in den USA an James Donovan – er wird inoffiziell nach Ost-Berlin geschickt, um einen Austausch zu verhandeln. Wie er das macht, sei hier nicht verraten, nur so viel: Er gerät mitten hinein in die Turbulenzen um den Bau der Berliner Mauer, muss die ersten Todesschüsse auf „Republikflüchtlinge“ miterleben und gegen geltungssüchtige DDR-Funktionäre ankämpfen.

Mit den Coen-Brüdern holte Spielberg zwei Könner ins Team, die das Drehbuch zusammen mit Matt Charman verfassten und dafür eine Oscar-Nominierung einheimsten. Seit Schindlers Liste ist Janusz Kamiński wohl Spielbergs erste Wahl, wenn es um die Kameraarbeit geht, und das hat sich auch hier wieder bezahlt gemacht. Ähnliches gilt für Cutter-Altmeister Michael Kahn, der seit Unheimliche Begegnung der dritten Art mit Spielberg zusammenarbeitet. Und für Tom Hanks, der immer wieder die Hauptrolle in Spielberg-Filmen übernimmt und mit Mark Rylance, Sebastian Koch und Alan Alda tolle Kollegen um sich hat. Ein gelungener Film, der mit eher leisen Tönen eine schlimme Episode aus unserer jüngeren Vergangenheit mit dem Werdegang eines stillen Helden verknüpft (und auch ein paar Klischees bedient – aber sie passen in diese Zeit …). James Donovan wurde nach dem Fiasko in der Schweinebucht von der US-Regierung erneut als Unterhändler eingesetzt und konnte die Freilassung von mehr als 9000 Menschen aus kubanischer Gefangenschaft erreichen. Ein durch viele Aspekte bewegendes Zeitdokument, absolut sehenswert.

Wiederentdeckt: Angel Heart

Nach Der weiße Hai jetzt Angel Heart – Buch und DVD lagen schon länger auf meinem Wieder-mal-lesen-(und-schauen)-Stapel. Die Verfilmung hab ich erstmals gesehen, als sie 1987 ins Kino kam. Der Roman von William Hjortsberg aus dem Jahr 1978 (Falling Angel) folgte erst 2006, als er vom Area Verlag in der Übersetzung von Angelika Felenda neu aufgelegt wurde. In den letzten Tagen hab ich das Buch nochmal gelesen.

Angel HeartDie Geschichte spielt im Jahr 1959 in New York. Privatdetektiv Harry Angel hält sich mit Scheidungs- und Versicherungsbetrugsfällen über Wasser. Als er durch Anwalt Winesap einen Suchauftrag des zwielichtigen Louis Cyphre zugeschustert bekommt, ahnt er noch nicht, auf was er sich da einlässt. Er soll herausfinden, ob der ehemalige Schnulzensänger Johnny Favorite noch lebt, der im 2. Weltkrieg sein Gedächtnis verloren hat und damals in ein Sanatorium eingeliefert wurde. Cyphre möchte alte Schulden eintreiben. Nahezu jeder, den Angel über Favorite befragt, stirbt kurz darauf einen gewaltsamen Tod: ein früherer Arzt Favorites, ein Musiker, eine Wahrsagerin … Angel stöbert Favorites hübsche Tochter auf, die ihn fasziniert: Sie ist eine Mambo und zelebriert Voodoo-Rituale. Bis Angel merkt, wie tief er in den Machenschaften von Voodoo-Priestern und Teufelsanbetern herumgestochert hat, ist es zu spät für ihn, um sich noch aus dem Fall zurückzuziehen, zumal er selbst unter Mordverdacht gerät.

Der US-amerikanische Schriftsteller und Drehbuchautor William Hjortsberg feierte mit Falling Angel seinen größten Erfolg. Das liegt sicher an der Verfilmung mit Mickey Rourke, Robert DeNiro und Charlotte Rampling, aber auch am Setting und der Atmosphäre, die den Leser in den Bann zieht: Ende der Fünfziger herrschten noch andere Moralvorstellungen als heute, doch Angel kriegt es mit Leuten zu tun, die sich darum nicht scheren. Hjortsberg dreht die Spirale der Gewalt immer weiter, und als Leser ahnt man etwas früher als Harry Angel, wie tief er in diesen Strudel hineingezogen wird. Beim Lesen kannte ich das Ende bereits aus dem Kino, dennoch empfand ich die Entwicklung der Geschichte und den gesamten Hintergrund auch beim Wiederlesen als spannend.

Angel Heart DVDVerfilmt wurde der Roman im Jahr 1987 von Alan Parker, der unter anderem auch bei 12 Uhr nachts – Midnight Express, Pink Floyd – The Wall, Birdy und Mississippi Burning Regie führte. Hjortsberg arbeitete am Drehbuch von Parker mit, bekam dafür im Filmvorspann allerdings keinen Credit. Die Handlung wurde ins Jahr 1955 verlegt, möglicherweise um Mickey Rourke nicht zu alt erscheinen zu lassen, da Harry Angel 1918 geboren wurde. Der Film fängt die Atmosphäre des Buches gut ein – inklusive der blutigen Morde. Allerdings sind viele Dialoge verkürzt dargestellt, wodurch manche Zusammenhänge nicht so ganz klar oder vereinfacht werden und vor allem der Voodoo- und Teufelsanbeter-Hintergrund nicht so zur Geltung kommt wie im Buch. Trotzdem ist Parker ein guter Horrorfilm gelungen, der gekonnt mit den Elementen des Hardboiled Detective und des Film noir spielt.

Tripods

Der englische Schriftsteller John Christopher schuf mit seinen Romanen um die Tripods, riesige dreibeinige Maschinen, mittels derer Außerirdische über die Erde und die Menschen herrschen, einen dystopischen Jugendbuchklassiker, der in den Achtzigerjahren von der BBC sogar als Serie verfilmt wurde. Gehört oder gelesen hatte ich davon schon öfter, aber erst die illustrierte Hardcover-Neuausgabe von Cross Colt hat mich jetzt dazu gebracht, die vier Romane endlich auch mal zu lesen.

TripodsDie ersten drei Romane, im Original 1967 erschienen, werden aus der Sicht des zu Beginn dreizehnjährigen Will Parker erzählt, der im ersten Buch kurz vor der sogenannten Weihe steht: Mit vierzehn erhält jeder Mensch eine Kappe, die mit dem Schädel fest verbunden ist und ihn zu einem den Meistern der Tripods ergebenen Diener macht – damit niemand auf die Idee kommt, gegen die außerirdischen Besatzer aufzubegehren. Doch Will und einige seiner Freunde widersetzen sich dieser Weihe und fliehen in Dreibeinige Monster auf Erdkurs aus England aufs europäische Festland, wo sie sich bei Gleichgesinnten verstecken. In Das Geheimnis der dreibeinigen Monster erkunden Will und zwei Gefährten die Stadt der Meister, um möglichst viel über sie und ihre Schwächen herauszufinden. Im dritten Roman, Der Untergang der dreibeinigen Monster, wollen sie dieses Wissen nutzen, um die Menschheit vom Joch der außerirdischen Besatzer zu befreien. 1988 schob Christopher mit Die Ankunft der dreibeinigen Monster einen weiteren Roman nach, der zeitlich vor den ersten drei Bänden angesiedelt ist und zeigt, wie sich die Meister mithilfe der Tripods zu den Beherrschern der Erde aufschwangen.

Natürlich merkt man den Romanen an, dass sie für Jugendliche geschrieben wurden, trotzdem habe ich auch als Erwachsener Spaß daran gefunden, Will auf seinen Abenteuern zu begleiten. Zwar geht mir der nostalgische Rückblick ab, der sich bei denjenigen wohl einstellt, die bereits als Jugendliche die Bücher gelesen haben (und die ich darum beneide), aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich die Romane im Alter zwischen 10 und 14 vermutlich verschlungen hätte – wenn ich sie denn in die Finger bekommen hätte. So ist Tripods für mich ein wunderschön aufgemachtes Buch, das von Comiczeichner Timo Wuerz mit 60 Schwarz-Weiß-Grafiken toll und reichlich illustriert wurde. Jedem der vier Romane ist ein Vorwort des Autors aus dem Jahr 2003 vorangestellt. Einzig eine Inhaltsübersicht habe ich im Buch vermisst, was aber nur einen kleinen Makel darstellt. Die auf 1444 Exemplare limitierte Sonderausgabe ist mit 39 Euro nicht ganz billig, es gibt das Buch aber auch als Paperback beim Piper Verlag (ohne Illustrationen, dafür mit Inhaltsangabe) für den halben Preis.

Penny Dreadful

Während seit einiger Zeit Remakes und Fortsetzungen von Publikumserfolgen sowie Aufgüsse in 3D das Kino zu beherrschen scheinen, entwickeln Miniserien immer mehr ihr Innovationspotential fürs filmische Storytelling. Längst haben Produzenten erkannt, dass man in diesem Sektor, wenn man es richtig macht und entsprechend Geld in die Hand nimmt, komplexere Geschichten erzählen kann, die das Publikum begeistern und binden. Längst agieren Schauspieler, die man früher nur auf der Leinwand sah, auch in diversen Serien, die mit herkömmlichen, billig produzierten und schnell abgedrehten TV-Serien und Daily Soaps nichts gemeinsam haben. Um ein Beispiel zu nennen: Ein realitätsnaher Film über den Zweiten Weltkrieg wie Der Soldat James Ryan, Spielbergs Meisterwerk und ein Meilenstein der Kinogeschichte, lässt sich auf die althergebrachte, familientaugliche Art und für herkömmliche Produktionskosten nicht adäquat für den Bildschirm umsetzen, aber mit den Miniserien Band of Brothers und The Pacific haben HBO und Spielberg bewiesen, dass man den Vergleich zur großen Leinwand nicht zu scheuen braucht. In zehn Folgen zu je ungefähr 50 Minuten lässt sich nicht nur ein kleiner Ausschnitt eines Ereignisses erzählen, man kann das Ereignis komplett und in vielen Facetten abbilden. Außerdem muss das Publikum nicht ein Jahr warten, bis die Geschichte weitererzählt wird, wie es etwa beim Herrn der Ringe der Fall war.

Penny Dreadful 1Ein Penny Dreadful ist das viktorianische Pendant zu unserem Groschenroman – und es ist der Titel einer amerikanisch-britischen Fernsehserie von Showtime, die es in sich hat. Produzent und Drehbuchautor John Logan hat dafür nahezu alles aufgeboten, was in der viktorianischen Schauerliteratur bzw. Gothic Fiction Rang und Namen hat: Victor Frankenstein samt Kreaturen, Dorian Gray, Dracula, van Helsing und Mina Murray sowie deren Vater, der versucht, seine Tochter den Klauen der Vampire zu entreißen. Hinzu gesellen sich eine vom Teufel Besessene, ein amerikanischer Kunstschütze mit dunklem Geheimnis und noch einige mehr.

Im Jahr 1891 ist Sir Malcolm Murray (gespielt von Ex-James-Bond Timothy Dalton) auf der Suche nach seiner Tochter Mina, die er in den Fängen von Vampiren vermutet. Dabei hilft ihm Vanessa Ives (Eva Green), eine Freundin von Mina. Sie heuern den amerikanischen Kunstschützen Ethan Chandler (Josh Hartnett) an, der gerade in London mit einer Wildwest-Show gastiert. Außerdem hilft ihnen Victor Frankenstein mit seinen medizinischen Kenntnissen. Nach und nach erfährt der Zuschauer in den acht Episoden der 1. Staffel, dass alle ein mehr oder weniger dunkles Geheimnis mit sich herumschleppen. Vanessa Ives ist von einem Dämon besessen. Frankenstein wird von der von ihm zum Leben erweckten Kreatur erpresst, er soll eine Gefährtin erschaffen. Und Chandler läuft im Grunde vor sich selbst weg – oder vor dem, was in ihm schlummert. Später kreuzen Dorian Gray und Abraham van Helsing die Wege der Vampirjäger, und nicht alle überleben das dunkle Ränkespiel, das sich entwickelt.

Die Miniserie wurde mit großem Aufwand inszeniert und ist sowohl optisch als auch von den Schauspielerleistungen her sehenswert. Eva Green stellt als Besessene alles in den Schatten, was etwa Linda Blair in Der Exorzist geboten hat. Aber auch die anderen gehen in ihren Rollen auf, und ihr Spiel trägt die Serie, die inhaltlich nichts bahnbrechend Neues gegenüber dem bietet, was man von Frankenstein, Dorian Gray und all den anderen aus den klassischen Werken der Gothic Novel kennt. Trotzdem ist das Ganze spannend, denn gerade die Geheimnisse hinter den Protagonisten und ihr Zusammenwirken machen neben der tollen Atmosphäre den Reiz von Penny Dreadful aus. Vergleiche zu Game of Thrones sind hinsichtlich der Machart, des Looks, des Aufwands und der Schauspielerleistungen durchaus angebracht. Ob sie standhalten, muss die 2. Staffel zeigen, die schon aufs Anschauen wartet. Allerdings scheint die Serie nicht den Erfolg gebracht zu haben, den man sich davon erhofft hat, denn die 3. Staffel bildet wohl den Abschluss, wie zu lesen ist.

Wiederentdeckt: Der weiße Hai

In den Siebziger- und frühen Achtzigerjahren standen Autoren wie Alistair MacLean oder Peter Benchley für spannende Abenteuerromane, die häufig auch verfilmt wurden. Jedenfalls blieben diese beiden Namen bei mir nachhaltig hängen. Benchleys Faible für die Ozeanologie brachte ihn schon bei seinem Debütroman Der weiße Hai (Jaws) dazu, die Geschichte am Meer spielen zu lassen. In seinen weiteren Büchern setzte sich das fort, etwa bei Das Riff (The Deep) oder Freibeuter des Todes (The Island), die ebenfalls den Weg ins Kino fanden. Allerdings war er mit den Verfilmungen nicht immer glücklich, da die Kinoadaptionen von seinen Buchfassungen abwichen. Andererseits sorgte nicht zuletzt Steven Spielbergs Filmversion dafür, dass sich Benchleys Hai-Thriller von 1974 dreißig Millionen Mal verkaufte.

Der weiße HaiDie Neuausgabe im Hardcover beim Wiener Milena Verlag bescherte mir jetzt eine Wiederentdeckung der Romanfassung. Sie ist um zwei Essays von Peter Benchley ergänzt, in denen er die Entwicklung der Haiforschung und die drohende Ausrottung der Meeresräuber thematisiert, außerdem äußert er sich zu den Abweichungen der Drehbuchfassung von seiner Romanvorlage. Leider haben sich in den Buchsatz ein paar Fehler eingeschlichen, wodurch zum Beispiel Trennstriche mitten in der Zeile auftauchen – allerdings in einem für mich noch verschmerzbaren Rahmen.

Im Atlantik-Badeort Amity wird eine junge Frau, die nachts alleine im Meer baden geht, von einem Hai attackiert und getötet. Als Polizisten die angeschwemmten Überreste finden, will Polizeichef Brody den Strand für Schwimmer sperren. Doch die Stadtoberen, allen voran Bürgermeister Vaughan, reden es ihm aus, weil eine vermeintliche Haigefahr Amity in den Ruin treiben könnte. Schließlich lebt das Städtchen von seinen Sommergästen. Erst nachdem zwei weitere Haiopfer zu beklagen sind, setzt sich Brody durch. Der Fischkundler Matt Hooper soll den Hai aufspüren, aber seit ein offensichtlich von einem Hai attackiertes Fischerboot verlassen vor der Küste vorgefunden wurde, gibt es keine weiteren Anzeichen dafür, dass der Raubfisch – anhand eines Zahnfundes im Bootsrumpf legt sich Hooper fest, dass es ein etwa drei Tonnen schwerer Weißhai sein muss – noch die Gewässer vor Amity durchstreift. Während Brodys Ehefrau Ellen, die mit ihrem Leben unglücklich ist, ihren Mann mit Hooper betrügt, erpresst Vaughan den Polizeichef, damit er die Strände wieder freigibt. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, tötet ein Mann die Katze der Familie Brody vor den Augen des jüngsten Sohnes – die Mafia hat in Amity ihre Finger im Immobiliengeschäft und will sich dieses nicht vermiesen lassen. Also gibt es nur eins: Der Hai muss zur Strecke gebracht werden. Dafür wird der Fischer Quint engagiert, der sich mit Brody und Hooper in seinem Boot Orca auf die Jagd begibt.

Bei der Lektüre hat sich gezeigt, wie präsent eine Filmversion sein kann, wenn man den Roman liest, nachdem man den Film etliche Male gesehen hat. Im Buch werden die Hauptfiguren anders beschrieben als die Darsteller in Spielbergs Blockbuster, aber beim Lesen hatte ich ständig Roy Scheider, Robert Shaw und Richard Dreyfuss vor Augen … Außerdem konnte ich wieder einmal feststellen, dass sich Autoren früher – zumindest gefühlt – kürzer fassen konnten als heutzutage: Nach 260 Seiten ist der Roman zu Ende, und diese Länge ist auch völlig angemessen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass sie ihre Werke noch in die Schreibmaschine tippen mussten, was gerade bei der Überarbeitung und einem Nochmaltippen härtere Arbeit bedeutete als im Zeitalter von modernen Datenverarbeitungsprogrammen.

Der weiße Hai DVDBenchley verfasste auch den ersten Entwurf des Drehbuchs, allerdings wurde er dabei angehalten, nur die Abenteuergeschichte zu verwenden und Themen wie Ehebruch oder Mafia außen vor zu lassen. Carl Gottlieb schrieb schließlich noch einiges um, so dass sich der Film nur grob an die Romanhandlung hält und viele Einzelheiten zu den im Buch wesentlich vielschichtigeren Personen und Hintergründen fehlen. Auch viele Details zur Haiforschung werden nur grob angesprochen, wodurch der Hai im Film eher als mordlüsternes Monster rüberkommt, weniger als Raubtier, das seinen Instinkten folgt. Der gesamte Mittelteil des Romans mit Ellen Brodys Seitensprung und den Mafiaaktivitäten entfällt. Diese Handlungselemente hätten dem Film sicher etwas von der Spannung genommen, die Protagonisten aber in einem anderen Licht erscheinen lassen. Die Jagd nach dem Hai in der zweiten Filmhälfte läuft im Film anders ab, zumal es keine Spannungen zwischen Hooper und Brody (der im Roman etwas von dem Seitensprung ahnt) gibt. Dass die Haiattrappe nicht so funktionierte, wie der damals 29jährige Steven Spielberg es sich vorgestellt hatte, und deshalb seltener und oftmals nur kurz zu sehen ist, schadet dem Film nicht – dadurch wirkt der Meeresräuber, unterstützt durch John Williams’ genialen Soundtrack, umso bedrohlicher. In der Buchfassung wird der Hai eher als majestätischer Raubfisch dargestellt, was ihm aber nichts von seiner furchteinflößenden Erscheinung nimmt. Der erste Satz in der ordentlichen Romanübersetzung von Vanessa Wieser lautet: „Der mächtige Fisch bewegte sich, angetrieben von kurzen Schlägen seines sichelförmigen Schwanzes, ruhig durch die nächtliche See.“

Ich weiß heute nicht mehr, ob ich damals zuerst die Verfilmung gesehen oder den Roman gelesen habe, meine aber, die zerfledderte Taschenbuchversion erst nach dem Kinobesuch in die Finger bekommen zu haben. Bei der Erstaufführung 1975 durfte ich noch nicht ins Kino, weil ich zu jung war. Aber in den Siebzigern und Achtzigern gab es bei uns ständig Wiederaufführungen von erfolgreichen Filmen, bevor Videotheken diese speziellen Programme unrentabel machten. So konnte ich Filme wie Der weiße Hai, Spiel mir das Lied vom Tod, Ben Hur oder auch die älteren James-Bond-Streifen auf der großen Leinwand sehen, bevor sie dann über die kleine Mattscheibe flimmerten. Von Der weiße Hai besitze ich die DVD-Version mit der Originalsynchronisation – es gibt auch eine klanglich aufgemotzte, bei der allerdings die neuen Sprecherstimmen so ungewöhnlich klingen, dass ich diese Version beim Anschauen schon nach wenigen Minuten abgebrochen habe.

Das Ding aus einer anderen Welt

Astounding SF August 1938John W. Campbell veröffentlichte unter dem Pseudonym Don A. Stuart seine SF-Horror-Novelle Who Goes There? im Jahr 1938 in ASTOUNDING SCIENCE-FICTION (das es unter dem Namen ANALOG übrigens immer noch gibt!), als er selbst der Herausgeber dieses amerikanischen Magazins war. Wer sich für alte Pulp Magazine interessiert, kann kostenfrei die August-Ausgabe 1938 als PDF herunterladen. Seitdem wurde die Novelle mehrfach verfilmt und sicherlich unzählige Male in Anthologien abgedruckt. Beim Festa Verlag erschien sie jetzt auch in einer eigenständigen Buchausgabe, allerdings zusammen mit dem Horrorroman Parasite Deep – Parasiten aus der Tiefsee von Shane McKenzie als Wendebuch, da die Novelle nur etwa 100 Seiten lang ist.

Das DingIn einer Antarktis-Forschungsstation sehen sich die knapp 40 Crewmitglieder mit einem Fund konfrontiert, der vermutlich Jahrmillionen im ewigen Eis gelegen hat: Ein Wesen aus einer anderen Welt taut in der Station langsam aus dem Eisblock auf, in dem es geborgen wurde, bevor das Raumschiff, dem es entstammt, bei der Bergungsaktion zerstört wurde. Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, ob von dem Alien nicht eine zu große Verseuchungsgefahr ausgeht, wenn es aus dem Eis befreit wird – wer weiß schon, was es aus seiner fremden Welt auf die Erde eingeschleppt hat? Dennoch wird es aufgetaut, denn es bietet natürlich auch die einmalige Gelegenheit, ein extraterrestrisches Lebewesen zu untersuchen, von dem die leitenden Wissenschaftler glauben, dass es tot ist und alle Keime längst abgestorben sein müssen. Dass dem nicht so ist, kann man sich denken – und so kommt es, wie es kommen musste: Das Ding aus einer anderen Welt befreit sich und befällt fortan die Schlittenhunde und auch die Crewmitglieder. Es kann die Gestalt seiner Opfer nachahmen, wodurch niemand in der Forschungsstation mehr sicher sein kann, ob sein Gegenüber noch ein Mensch ist.

Das Ding FilmErstmals wurde die Novelle 1954 von Howard Hawks und Christian Nyby unter dem Titel The Thing verfilmt. Damals jedoch nicht besonders werksgetreu, man orientierte sich nur an der Grundidee. Wesentlich näher an Campbells Geschichte blieb John Carpenter, der sich 1982 an eine Neuverfilmung wagte, die längst Kultstatus genießt (wie viele andere Carpenter-Streifen auch). Kurt Russell spielte die Hauptrolle, und Rob Bottin sorgte für die Tricktechnik, mit der das sich immer wieder verwandelnde Alien auf der Leinwand endlich auch storygerecht dargestellt werden konnte. Den Soundtrack steuerte Ennio Morricone bei, allerdings ergänzt durch einige Tracks von Carpenter himself, der in jüngster Vergangenheit auf einer Live-Tour die selbstkomponierte Musik aus seinen Filmen präsentiert hat. Ich hab den Film schon zigmal gesehen und kann ihn immer wieder anschauen.

Kein Witz: Gemäß einer Tradition sehen sich die Crewmitglieder der realen Südpol-Station gemeinsam beide Filmversionen von The Thing an dem Tag an, an dem das letzte Flugzeug vor dem Winter die Station verlässt. Makaber, makaber.

Das Ding Parasite DeepDer Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich den anderen Roman des Wendebuchs, Parasite Deep, nur quergelesen habe. Wer einen kurzen, derb-deftigen B-Movie-Horror-Roman im FSK-18-Format lesen möchte, in dem kaputte, permanent fluchende Typen von Meeresungeheuern gefressen werden, kann ja mal reinlesen. Ich mag zwar viele B-Movies, aber hier fehlt mir das gewisse Etwas, das einigen von diesen Filmen zum Kultstatus verholfen hat. Trotzdem lohnt sich das Buch: Who Goes There? ist ein großer Klassiker und Meilenstein der Science Fiction.